Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 190)
- Language
- German
- Belongs to
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168 zerschnitten werden, die zwischen beiden und zwischen dem Menschen und der Erde geknüpft sind. Zuerst zu scheiden von diesem Leben: das ist schwer. Es hat uns so viele Kämpfe gekostet, so viele Leiden und Mühen, und was dem Menschen schwer geworden, das läßt er so ungern fahren, gibt er so ungern auf; wir sind seiner so gewohnt worden, wir haben es so lieb gewonnen: und mögen wir mebr Stunden des Kummers als der Freude, mebr Gedanken des Harms als der Wonne, mehr Thränen des Schmerzes als der Lust gehabt haben, und oft ausgerufen haben: besser ist der Todestag, als der Geburtstag — wir scheiden ungern von diesem Leben — darum ist die Sterbestunde bitter. Alsdann zu scheiden von den Gütern dieses Lebens — von der freundlichen Sonne, vom Hellen Tage, vom schweigenden Abend, von der erquickenden Nacht, von den Blumen des Frühlings, von den Früchten des Herbstes, von unserm Berufe aus Erden, unfern Geschäften, unfern Spielen und Scherzen, vom Vermögen, das wir erworben, mag es viel oder wenig fassen, von den Besitzthümern, die wir rings um uns versammelt, von allem Diesem zu scheiden, das ist schwer und darum ist die Sterbestunde bitter, meine Lieben. Endlich zu scheiden von den Seinigen, von den geliebten und liebenden Menschen, die uns gehören, die Eltern von ihren Kindern, die Kinder von ihren Eltern, der Gatte von der Gattin, die Gattin von dem Gatten, der Bruder von der Schwester, die Schwester von dem Bruder: — wenn sie an unserm Lager stehen, und horchen auf unfern letzten Athemzug, und schauen auf unfern letzten Blick, und wir fühlen und wissen, nun bleiben sie allein zurück, und wir allein in der Gruft, und der Tod legt sich zwischen sie und uns, und wenn die letzte Erdscholle über die Bretter rann, die uns einschließen, gehen sie allein nach Haus und trauern, wie oft ohne Stütze, Witwen und Waisen im Sturme der Welt ohne Helfer und Annehmer — o, wie schwer wird da die Trennung, wie bitter ist da die Sterbestunde, und der Sterbende hat nicht einmal Thränen! Meine Brüder und