Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 191)
- Language
- German
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Schwestern, so ist die Sterbestunde, bitter und schwer, und in diese, wahrlich! leuchtet nur das Eine hinein, das Bewußtsein, brav und gut gelebt zu haben, seine Bestimmung auf Erden erfüllt zu haben, gelebt zu haben als Mensch und Israelit treu seinem Gotte, treu dem Gesetze und treu der Tugend, die jene befohlen. Nur dieses Bewußtsein erleichtert uns das Sterben, und die Gewißheit, daß drüben im Lichte des Herrn sich wieder finden, die durch den Tod getrennt worden, daß drüben höhere Güter uns erwarten, Wahrheit und Seligkeit, und daß drüben ein himmlisches Leben uns vergessen machen wird des irdischen. Also spricht unsere Religion zu uns, und wir wollen es hören und bewahren: denn der Mensch sprießt und welkt wie eine Blume, flieht wie ein Schatten, undbleibtnicht — auf dieser Erde nämlich. IV. Und was soll nun, andächtige Zuhörer, was soll nun die Sterbestunde? welche Bedeutung hat sie für uns, die Lebenden, und für das Leben? was soll das in uns bewirken, wenn wir wissen, wie sie kommt, was sie bringt und wie sie ist? Freunde, daß wir das Leben vom rechten Standpunkte betrachten, daß wir eine richtige Anschauung vom irdischen Leben erhalten. Also ein vergängliches Leben ist es, wie die Jahre sich ablösen und folgen, ein Ende steht ihm bevor, das schnell und unverhofft kommt. Dieses Leben müssen wir verlassen, von unfern Gütern scheiden, von den Unsrigen uns trennen. Werden wir also dieses Leben nicht recht einrichten wollen? Werden wir unser Herz zu sehr an diese Güter hängen dürfen? Werden wir die Unfern nicht desto inniger lieben, desto zarter behandeln müssen? Denn wenn die Stunde gekommen, und unser Gewissen spricht hart und schonungslos: du hast gesündigt! — und unsre Seele kann nicht lassen von den Lüsten und Gütern der Erde, und die Unsrigen sehen kalt und theilnahmlos unserm Sterben zu — denn wenn die Stunde