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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 165

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 165 (sequence 187)
Language
German
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IRI
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165 dagegen vermag der Weise nichts und der Thor, der Starke nichts und der Schwache, über Alle strecket der Tod seinen Arm aus und greift den, den er auserwäblt — nach dem Willen des Herrn droben — und legt ihn auf das Lager nieder, wo die Sterbestunde ibn überschleicht schnell und unverhofft, trotz dem Wehklagen des geliebten Weibes, trotz dem Jammergeschrei der verlassenen Kinder, ihr armen Witwen und Waisen! — Freilich dir endlich, Greis, sollte die Sterbestunde nicht unverhofft kommen, denn dein Leben neigt sich schon lange zu Ende, dein Fuß wankt, deine Hand zittert, dein Geist ist schwach und müde geworden — aber die Sonne da droben, wer verläßt sie denn gern? Und wenn die Zahl der Jahre siebzig oder achtzig geworden, die Hoffnung und die Liebe des Lebens bietet dennoch immer mehrere dar. So kommt die Sterbestunde auch dem Greise schnell und unverhofft, wo die starren Glieder ruhen sollen, und das müde Herz aufhören zu schlagen. Dies, meine Freunde, ist die Antwort: die Sterbestunde kommt, nachdem der Mensch gelebet hat, sie kommt schnell und unverhofft und unausbleiblich — denn der Mensch welkt wie eine Blume, flieht wie ein Schatten, und bleibet nicht. II. Und die zweite Frage ist: was bringt die Sterbestunde? Was ist das, was unsre Seele beschäftigt in jenen verhangnißvollen Augenblicken? Sie bringt zuerst das Gedächtniß des durchlebten Lebens. In der Stunde des Scheidens kehren zurück vor die Seele des Sterbenden die längst verflogenen Bilder der Vergangenheit. Da steigen herauf in der Erinnerung die Thaten und Werke, die der scheidende Mensch hervorgebracht, wie ein großes Gemälde überschaut er bei sich all' sein Wollen und Thun, und das Bewußtsein des Guten und Bösen erwacht darüber mit unendlicher Gewalt, und sichtet und trennt, und forscht ernstlich, was und wie es gewesen

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