Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 186)
- Language
- German
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46L rafft zusammen, sinnt, spinnt Pläne, strengt seine Kräfte an, sie auszuführen, sie glücken, sie glücken nicht, seine Entschlüsse wechseln, sein Wille ändert sich — aber da kommt die Sterbestunde, und macht allem Dem ein Ende. Nun mußt du ruhen, Sterblicher, und mit dem letzten Schlage deines Herzens fliegt dein letzter Wunsch davon, deine letzte Hoffnung, dein letzter Wille: du Haft ansgelebet. — Ferner kommt die Sterbestunde schnell und oft unverhofft. Da sehet das unschuldige Kindlein auf dem Arme der Mutter, wie es lächelt, wie es sich anschmiegt an den treuen Mutterbusen — aber hinter ihm steht schon der Engel des Todes, und greift mit der kalten Hand nach der kleinen Menschenblume, und zerdrückt sie, daß sie hinabgleitet von dem Mutterarme in das Grab: so schnell kam die Sterbestunde über dasselbe, nachdem es der Monde wenige gelebt. Dort siebet ein blühender Jüngling, eine blühende Jungfrau, die Anmuth der Jugend strahlt auf ihrem Angesichte, das Feuer der Jugend blitzt aus ihren Augen: wie dehnt sich das Leben noch aus vor ihnen als ein liebliches Thal voller Blütben und Früchte, es werden Pläne voll Glück und Lust auf die Zukunft gemacht, mit Feuereifer legt der Jüngling die erste Hand au das Werk des Lebens, und groß steht in seinem Geiste da, was er vollenden werde. Aber siehe! da nagte schon ein heimlicher Wurm am innersten Leben, schnell verwelket die Blüthe, gebrochen ist die Kraft, verloschen die Flamme, und von dem Herzen der Eltern reißt die Hand des Todes die geliebten Kinder und legt sie in die einsame Gruft, und die Eltern sehen die Augen sich schließen, die sie selbst sich öffnen gesehen, und von denen sie einst geglaubt, bewacht zu werden in ihrer Sterbestunde: so unverhofft kam diese über die blühende Jugend. Und wie das zarte Kindlein, wie den blühenden Jüngling, so auch den kräftigen Mann. Da trotze kein Sterblicher, da trete Niemand verwegen auf, und spreche: mir hat er nichts an! Da sind die Könige auf ihren Thronen, die Reichen in ihren Schatzkammern, die Bettler in ihren Lumpen nicht sicher;