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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 162

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 162 (sequence 184)
Language
German
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IRI
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162 So stehen wir denn wieder, geliebte Gottesgemeinde, am Ende eines alten, am Anfänge eines neuen Jahres; wiedergekehrt ist der Anfang der ewigen Ordnung; eine Pforte hat sich zugeschlagen, und an der Oeffnung einer neuen stehen wir. Festlich ist dieser Tag für uns Alle, meine Brüder, festlich ist er auch insbesondere für mich, da heute znrückgekehrt ist der Tag, an welchem ich zum ersten Male zu Euch sprach vom Worte des Herrn. Viele Schritte sind seitdem gethan worden: wo ich fremd war, ward ich heimisch; eine frische, aufblühende Jugend, die'ich nicht kannte, gehört mir jetzt zu, und wo ich Hinblicke, sehe ich auf ein werthes Antlitz, das sich freundlich mir znneigt, treffe ich auf ein offenes Ohr, das meinen Worten gerne horcht. Aber hoch über allen diesen Empfindungen schwebet heute ein Gedanke, meine Freunde, in meinem Geiste, es ist der Gedanke des heutigen Festes, es ist der Gedanke an die Kürze des menschlichen Lebens. Wir, Israeliten, die wir seit vier Jahrtausenden unsre Voreltern kennen, nennen, ehren, wie muß es uns bei der Wiederkehr eines solchen Festes nicht gerade am deutlichsten vorschweben, welche Tausende von Geschlechtern schon hinabgestiegen, nach kurzem Erdenlebeu in die Gruft, am deutlichsten vorschweben, wie des Menschen Dasein verfliegt nach kurzer Frist, wenn wir zurücksehen auf den Staub so vieler Väter und Urväter, deren Asche in Gott ruht, deren Seelen bei Gott leben? Also spricht recht der große Dulder Hiob, und kann ich heute mit Recht diese seine Worte Euch zurufen, die gelesen werden K. U . V. l. u. 2: '^1 TULdr üNrr - NlST? iki 7L? N7YH „Der Mensch vom Weibe geboren, kurz an Tagen und satt des Kummers ist er. Wie eine Blume sprießt er und welket, flieht wie ein Schatten, und bleibet nicht." Wie ein Schatten flieht, wie eine Blume welkt, kurz an Tagen ist der Mensch, der Weibgeborne. Er bleibet nicht.

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