Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 180)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1515-9623428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
158 die treue Wächterin, in dem Posaunenhall entgegen, erhebet euch aus diesem Schlummer eurer Seelen, schüttelt die hohlen Träume von euch ab, kommet zum Bewußtsein, denket an die Vergänglichkeit des Lebens, denket an die Bestimmung, zu der ihr über die Erde gehet, denket an den Allwissenden droben, an das Auge, das Alles siebt, an das Ohr, das Alles hört. Ist denn der Ton der Drommete nicht stark genug, um euch zu wecken? Rust er nicht Schrecken und Zagen in eure Brust? Zerreißt er nicht die Bande, die euch umfangen halten, die Binde, die eure Augen umschleiert? — Wenn ihr den Ton des Schofars höret, wenn ihr ihn höret und er euch durchdringt, dann sollen abfallen von euch jene kleinlichen, immer wiederkehrenden Sorgen um die Bedürfnisse der Erde, dann sollen abfallen von euch alle Leidenschaften und Begierden, die der Erde und ihren Gütern gelten, dann sollen abfallen von euch alle Laster und Sünden, die an euch hasten, und nur der eine Gedanke sei in euch bleibend: Gott, mein Vater und mein Richter, und ich, ein Sohn des Himmels, ein Zögling der Offenbarung! Dann, nur dann habt ihr den Posaunenhall verstanden, dann, nur dann wandelt ihr im Lichte des Herrn, sein Antlitz strahlt euch zu, und segnet euch! III. Und wenn wir den Ton der Posaune gehört, und wenn er uns durchdrungen, so soll er drittens in uns verbleiben. — Was in der Zeit geboren, vergehet in der Zeit. Ist doch das Wort des Herrn verhallt, als er auf Sinai zu unfern Vätern sprach; ist doch Mosis, ist doch der Propheten Stimme verklungen, nachdem sie sich niedergelegt zum Sterben — auch der Schall des heiligen Schofars verflieget und verklingt, so stark er auch ist. Aber was des Geistes ist, bleibt ewig, wie Gott, wie sein Odem, wie unsre Seele, wie seine Lehre. Darum, wenn sie auch äußerlich verklingen, innerlich sollen sie bleiben, im Geiste sollt ihr sie aufbewahren, die Töne der