Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 179)
- Language
- German
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157 nicht wo? Auf der Erde, die heute oder morgen sich öffnet, sie zu empfangen! sie wandeln, aber wissen nicht wohin? Zu dem Throne des Richters droben, der Rechenschaft verlangt! sie handeln, aber wissen nicht warum? Um sich reif zu machen für das Jenseits, um die Erdenseele zu einer Himmelsseele zu erheben! sie thun, aber wissen nicht was? Denn den Sünden opfern sie das Heil ihrer Seele, den Genüssen die Zufriedenheit ihres Herzens, den Bergnügungen den Frieden ihrer Brust, der Gegenwart opfern sie die Zukunft, dem Diesseits das Jenseits, der Erde den Himmel, den Menschen ihren Gott! Und in diesen falschen Träumen, diesen eiteln Wünschen und Hoffnungen strengen sie sich an, mühen sie sich ab, der Schweiß rinnt von ihrer Stirn, ihre Herzen pochen und schlagen, aber nutz- und zwecklos, ihre Seelen schlafen! — Und nun, meine Freunde, aus diesem Nachtwandlerleben, aus diesem Seelenschlummer, soll euch der Ton der heiligen Posaune erwecken! — Wie wenn durch die Stille der Nacht plötzlich die Feuertrommel rasselt, die Sturmglocke anschlägt, und die gehaltenen Töne der Hörner schmettern; wie da der Mensch von dem Lager erschrocken auffährt, und der Ruf der Angst ertönt: wo ist die Gefahr? wo lodert die Flamme? wo weilt der Feind? wo dräut der Tod? — also soll der Ton der Posaune in eure schlummernde Seele dringen, hineindringen durch alle Hüllen und Schleier, daß ihr auffahret und angstvoll fraget: wo ist die Gefahr? wo lodert die Flamme? wo weilt der Feind? wo dräut der Tod? Und der Wächter, der durch die Nacht schaut, spricht zu euch: In euch selbst ist die Gefahr — da lodert die Flamme der Leidenschaft, da weilt der Feind, die Sünde, da dräut der Tod, der Tod eurer Seele, Euern Gott habt ihr vergessen, seine Lehre ist euch ein Spott geworden, die Tugend ein leerer Name, die Keuschheit ein hohler Schatten, die Gerechtigkeit ein blindes Weib, die Bannherzigkeit eine taube Nuß, Israel euer Scherz, Judenthum ein Stirnrunzeln, Frömmigkeit ein Achselzucken. -- Wachet auf, wachet auf, Geliebte, ruft euch die Religion,