Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 181)
- Language
- German
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189 Posaune; und was sie in euch erweckt, wie ihr sie hörtet, und wie sie euch durchdrangen, welche Gedanken und Gefühle sie berausbeschworen in euch — diese sollen bleiben, diese sollen nicht abfterben, wenn die Tone verstorben sind, und die Vorsätze und Entschlüsse, die sie in euch zuwege gebracht, sie sollen nicht aufhören, wenn die Töne aufgehört. O des Wankelmuths des menschlichen Geistes! leicht bestechlich, leicht verführt, leicht bewogen, leicht verändert — wie ein mastloses Schiff den Wellen des Lebens preisgegeben, jedem Zugwind überlassen, der sie mit fortreißt. Meine Brüder! So erstarket heute euren Willen, erstarket ihn für alle Tage des ganzen Jahres, schreibet euch beute eine unveränderliche Bahn eures Lebens vor, entfernet heute allen irdischen Staub und Moder aus eurem Herzen, werdet heute Meister eurer Leidenschaften, heute für immer, auf daß ihr nicht wieder zurücksallet in den Schlummer, aus dem ihr heute erwacht. Höret, lasset euch durchdringen, und bewahret in eurem Geiste, und wenn die Stunde der Versuchung kommt, die Stunde, wo die Sünde auftritt mit ihren Lockungen, wo die Wollust in euer Ohr lispelt, wo der Eigennutz euer Ohr belagert, wo der Neid in euer Ohr raunt, wo der Haß euer Ohr bestürmt, wo die Jrrreligion euer Ohr mit Hohnlachen erfüllt — dann gehe aus eurem Innern der Wiederhall des Posaunenklangs hervor, der übertöne sie Alle, der Posaunenhall der Religion, der Liebe, der Frömmigkeit, der Tugend — und vor diesem Posaunenklang sollen sie schweigen und verstummen. Dann, dann habt ihr ihn recht gehört, dann hat er euch ganz durchdrungen, dann habt ihr ihn ganz verstanden, und ihr wandelt im Lichte des Herrn, und sein Antlitz strahlt euch zu, und segnet euch. Amen. Vater der Barmherzigkeit! — Ein schöner Spruch unsrer Weisen ist es, daß, im Augenblicke, wo in Israel das heilige Schofar ertönt, du dich erhebst von dem Throne der Gerechtigkeit und dich niederlassest auf den Thron der Barmherzigkeit, daß, im Augenblicke, wo Millionen erwachen aus dem