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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 103

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 103 (sequence 125)
Language
German
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IRI
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103 Und so ist die wahre Besonnenheit drittens nicht: das Vertrauen auf Reichthum, auf die äußeren Güter des Lebens. — In unserm heiligen Gesetzbuche heißt es: du sollst im Gerichte weder das Aussehen des Armen berücksichtigen, noch das Ansehn eines Großen ehren. Und wenn schon im Gericht, wie noch mehr in der Religion, vor Gott! Nicht die Armuth und nicht Reichthum gibt Verdienst; nicht auf deinen Reichthum kannst du dich verlassen, noch auf deine Armuth pochen; nicht den Reichthum darfst du mißbrauchen, und deinen Stolz durch ihn nähren, und nicht die Armuth, und um ihretwillen das Gesetz Gottes übertreten; nicht der Reichthum gibt ein Recht, noch die Armuth eine Entschuldigung. Denn die Güter der Erde oder ihr Mangel, beide sind zufällig und vergänglich. Wohl dem, den der Herr mit Irdischem gesegnet, die Sorge des Tages drückt ihn nicht, die Noth der Stunde bedrängt ihn nicht — aber es lastet auf ihm die Verantwortung für den Gebrauch desselben — nur Mittel soll er dir sein, den großen Zweck des Menschen eher zu ereichen. Aber auch der Arme, der Dürftige ist verantwortlich. Strebst du blos nach Gütern um ihretwillen, wehe dir, Armer! Du theilst dieselbe Schuld. Entbehrung ist die große Schule des Sterblichen. Wenn irgendwo, hier kann er sich bewähren, ob er sein Vertrauen auf die Güter setzt, oder ob er das Vertrauen zum gerechten Lenker der Schicksale besitzt; ob er der Tugend huldigt, oder dem Götzen der Erde. Armer oder Reicher, dessen Streben allein auf den Besitz äußerer Güter gerichtet ist, merke dir die erhabenen Worte des Propheten: „in der Mitte des Lebens verläßt er dich, und an seinem Ende bist du ein Thor." Habt ihr noch nicht gesehen, wie die Waage des sogenannten Glückes auf- und niederfteigt, wie sie hebt und stürzt, wie sie in der Mitte des Lebens nimmt, was sie im Beginne gegeben? Also was du erstrebst, wonach du ringest im Schweiße deines Angesichts, gleicht dem flatterhaften Schmetterling, gleicht der vorübereilenden Wolke, gleicht dem Sonnenblick, der sich im

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