Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 124)
- Language
- German
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102 Wunsche, jedem Triebe, der lebendig wird im Herzen, der läßt sich nicht von seinem Herzen leiten, von dem, was ihm gefällt oder mißfällt, was ihm Vergnügen oder Schmerz verursacht. Denn das Herz ist eigennützig in Allem, liebe Zuhörer, selbst in den edleren Empfindungen, das reine Edle geht nicht vom Herzen aus — sondern von der Vernunft, erleuchtet durch die Lehre Gottes! Diese deine, durch die Lehre Gottes erleuchtete Vernunft muß die Regungen des Herzens beherrschen, muß, wo sie zum Guten sich neigen, sie stärken und ausdauernd machen, wo sie das Böse erzielen, sie unterdrücken. Wenn ich von der trügerischen Menschenwelt sprach, geliebte Zuhörer, sehet da, das Herz ist es, was den Menschen an diese Welt knüpfet, durch das Herz hängt er an der Menschenwelt fest, das Herz mit seinen nie befriedigten Wünschen und Neigungen, Begierden und Hoffnungen fesselt an die wechselnden Menschengüter. Jenes innere, heilige Seelenleben, das ich euch schilderte, es kennt die Leidenschaft nicht, es ist eine Sabbathruhe, eine hohe, hehre Ruhe in demselben. Wie der Wind über die ruhige Tiefe des Meeres haucht, und kaum die Oberfläche bewegt, so wehet die Leidenschaft über dasselbe hin, dringet aber nicht hinein. Aber das Herz gleicht dem unruhigen Werkelleben, und ist der Mittelpunkt desselben. Darum aber, wie das Werkelleben dem innern Seelenleben untergeordnet sein muß, so muß auch das Herz untergeordnet sein, und das Vertrauen auf das Herz ist nicht die wahre Besonnenheit. III. Wenn also weder das Vertrauen auf die Menschenwelt, noch auf sein eigenes Herz die wahre Besonnenheit ist, so fährt der Prophet fort: "W Wie ein Rebhuhn, das Eier brütet, die es nicht gelegt, ist einer, der Reichthum erwirbt, und nicht mit Recht; in der Mitte seines Lebens verläßt er ihn, und an seinem Ende ist er ein Thor.