Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 123)
- Language
- German
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>101 den Gütern der Erde nnd an den Stunden der Erde ding, so stockt es nun; da euer Geist nur die Gedanken des irdischen Lebens kannte, so hat er Alles verloren. Also ist das Vertrauen auf Menschen, Menschenwelt und Menschenwerk nicht die wahre Besonnenheit. II. Der Prophet sagt ferner: 817! 2771 2^ Trugvoller ist das Herz, denn Aljes, und verderbt ist es, ^>'7^ wer kann es kennen? Und so ist die wahrhafte Besonnenheit zweitens nicht: das Vertrauen aus sein eigenes Herz. — Wenn die Religion an den Menschen herantritt, und spricht: Halte mich nicht für trugvoll, für einbildnerisch, für Vorurtheil, für Befangenheit der Väter, die Erde selbst, die Menschenwelt ist trügerisch — was hört man da für Antwort? Der Mensch spricht: Was soll ich thun? Ich gehe meinem Herzen nach, und was mir dieses sagt, das thue ich. Ja, meine Brüder, im Herzen des Menschen ist viel Gutes verborgen, es weint mit dem Unglücklichen, und trauert mit dem Trauernden, es freut sich mit dem Glücklichen, es fordert zur Barmherzigkeit, zur Rechtlichkeit, zur Ehre auf, es findet Lust am Guten und Schönen, es empfindet Wonne an der Liebe und am Frieden — aber das Herz des Menschen ist auch der Sitz des Eigennutzes, die Wohnung der Leidenschaft, da herbergt der Jähzorn, der Haß, da sitzet der Neid, die Mißgunst, der Hohn, da herrschet die Wollust, da spricht die Trägheit drein, da urtheilt die List — alle diese wohnen in den Kammern des menschlichen Herzens, trugvoll ist es, mehr denn Alles, und verderbt — wer kennt es? Das Herz des Menschen hat eine Oeffnung zur Rechten, und eine zur Linken; heute spricht es durch diese, morgen durch jene. Darum ist das Vertrauen auf sein Herz nicht die wahre Besonnenheit, und wer auf seine Stimme hört, wankt bald hierhin, bald dorthin. Nein! wer besonnen handelt, der stellt sich über sein Herz, der folgt nicht jedem