Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 120)
- Language
- German
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198 besonderen Bedeutungen der angeführten Gesetze ab, und betrachten wir nur deren höhern, allgemeinen Sinn, wie ihn alle Israeliten zu fassen haben und fassen können! Und hierin folge ich den Schritten und Ansichten des größten unsrer spätern Lehrer, des Maimonides. Es sollte die Bestimmung des Israeliten sein, ein aufmerksames, ein besonnenes Leben zu führen; er sollte nicht, wie andre Völker, unbesorgt und unbekümmert einen Tag des Lebens nach dem andern auf der Erde verbringen, wie man im gewöhnlichen Leben sagt, in den Tag hinein leben, sondern hinter dem irdischen Werkel- und Arbeitsleben, hinter dem Treiben und den Geschäften der Welt, sollte ihm stets noch ein höheres, nach dem Himmel gewandtes, auf Gott gerichtetes Leben stehen. Wie ein weit, und immer weiter ausgespanntes Netz, unter dem man sich frei bewegen kann, zu dessen Grenzen man aber immer wieder kommt, sollte das religiöse Leben das wirkliche Leben des Israeliten umspannen und umfassen. Immer sollte nach einer Zahl von Tagen ein Ruhetag, nach einer Zahl von Jahren ein Ruhejahr, nach einer Zahl von Ruhejahren ein großes Iobeljahr ihn an den Herrn erinnern, an dessen Lehre, und an seine Pflichten als Mensch und Israelit, und ihm Raum geben, seinen Geist des Irdischen und dessen Leidenschaft zu entkleiden, und aus dem Staube zum unendlichen Himmel zu erheben. So gab der Allweise dem Israeliten . eine beständige Mahnung an das Höhere, an das Himmlische mit, an den Zweck des irdischen Lebens, an die Bestimmung des Menschen. Diese stete Erinnerung und Mahnung, diese Zwischenräume und Zwischenreiche der Religion in der Mitte des weltlichen Treibens, sie sollten den Israeliten mit einer vollkommenen, religiösen Besonnenheit erfüllen, in welcher Besonnenheit er die Tage und Jahre seines Lebens zählte, und einem göttlichen Wandel weihte. Das, meine Freunde, war der erhabene Zweck aller dieser Gesetze. So lasset uns denn heute, als an einem der Sabbathe der sieben zu zählenden Wochen, und zur Vorbereitung des bevorstehenden Festes