Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 104)
- Language
- German
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82 Jenseits? Das'sagt uns schon die Kenntniß Gottes, und ist so eine Morgenröthe in der finstern Nacht. Aber die Erkenntniß Gottes, diese beseligt uns mit göttlichem Frieden inmitten der Stürme, diese läßt uns alle jene Gefahren, jenen Druck verachten von der Höhe des göttlichen Wesens herab, diese sagt uns: wie? ängsten und kümmern willst du dich, da du doch unter den Adler-Flügeln des Herrn stehest? Wie? Irdisches soll die Schnell deines Herzens zerreißen, da die Herrlichkeit Gottes, der Hauch des Weltenschöpfers in dir wohnt? Wie? der Schmerz soll in deiner Seele, deiner unsterblichen Seele wühlen, wenn du das Heil bei Gott eintauschest für den Verlust irdischen Glückes? Und nun, meine Freunde, ist das nicht volles, Helles Tageslicht, vor welchem jede Nacht der Erde und ihres Kummers schwindet? Darum sprach der Herr das große Wort: Mein Antlitz soll mit dir gehen, und ich will dich zur Ruhe bringen. Denn wenn die Erkenntniß Gottes in uns wohnt und mit uns geht durch die Jrrpsade des Lebens, dann kommen wir zur Ruhe, zur sanften, süßen Friedensruh f. Und wie mit der Nacht des Mißgeschicks, so auch mit der Nacht des Zweifels und des Afterglaubens. Der Geist des Menschen ist vielfach gebildet, vor Allem aber gab ihm sein Schöpfer Freiheit. Dieser Freiheit überhebt er sich oft, er vergißt seines Gottes, er füllt seine Brust mit Stolz, Selbstvertrauen, Uebermuth, er glaubt sich selbst genug, er wähnt sich unabhängig, er wirft die sanften Bande der Religion und der Pflicht von sich, er stellt sich über das Gesetz Gottes. Da wird es denn finstrer und trüber um ihn, auf den Stolz folgt Zagen, auf das Selbstvertrauen Schwäche, er fühlt sich einsam in der unermeßlichen Welt, todt ist für ihn die blühende Natur, todt sind jene Sterne am Himmelsgezelt, er gedenkt des Augenblicks, wo er aufhören wird, auf der Erde zu wandeln, mit Schauer,' der Gedanke des Nichtseins füllt ihn mit Entsetzen — du Thor, du kennst Gott, du weißt, wer er ist, der da tödtet und belebt, aber du hast ihn