Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 103)
- Language
- German
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84 Aber die Erkenntniß, die kommt zu Wenigen. Daß der Begriff dieser Gottheit unsre Seele ganz und gar durchdringt, daß unsre Gedanken sich ganz in den Gedanken der Gottheit versenken, daß unsre Gefühle mit dem Gefühle der Gottheit eines werden, daß unser Streben, unser Thun und Lassen, unser Dulden und Ertragen, unser Mühen und Leiden immerfort göttlich zu sein ringt, weise und gerecht, gütig und barmherzig, sanft und milde, liebend und lieblich, überschwänglich und mächtig — das ist die Erkenntniß des Herrn, das Antlitz Gottes, das mit uns gehen soll: diese, und nur diese Erkenntniß ist die Bestimmung des Menschen. Habe ich nicht, meine Freunde, im Eingänge von der Nacht gesprochen, die den Menschen umgibt? habe ich nicht das Wort Hosea's angeführt, der Begriff des Herrn ist wie die Morgenröthe? Ja, der Begriff, d. i. die Kenntniß Gottes ist die Morgenröthe dieser Nacht, die Erkenntniß Gottes aber ist das volle, Helle Tageslicht, als welches nichts Heller, nichts leuchtender ist, denn das Antlitz Gottes selbst. — Wenn das Mißgeschick seine Pfeile auf uns entsendet, - wenn unser Brod, unser Nahrungsgeschäst in Gefahr geräth, und drückende Sorge, ja Armuth, Mangel, Entbehrung sich aus unsre Schultern legt; wenn unsre Ehre gefährdet ist, und die Verläumdung und die Bosheit das Verdienst und die Tugend unsers Lebens vernichten will; wenn Krankheit in unserm Innern nagt, Schmerzen durch unsre Glieder zucken, Beängstigung unsre Brust bedrückt, der Schlummer der Nacht flieht, und die Ruhe des Tages davoneilt; wenn wir die Unsrigen leiden oder irren sehen, und die Angst um das Heil unsrer Kinder, Brüder oder Gatten unser Herz zusammenschnürt — Menschen, sagt euch da nicht schon die Kenntniß Gottes, daß die allgütige Vorsehung nur ans weisen, schönen Zwecken solches uns auferlegt, daß, wie Salomo sagt, wie ein Vater sein Kind zächtigt, so der Herr droben uns straft, nur um uns zu bessern, zu läutern, die Schlacken der Erde aus uns zu scheiden, uns reifer und gemäßer zu machen für das ewige 6