Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 102)
- Language
- German
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80 und dies dein Volk, vor allen Völkern des Erdbodens? Dies sind die Worte des Heils, die ich heute auslegen werde, meine Brüder; merket wohl auf sie, wendet ein aufmerksames Ohr ihnen zu: sie werden euch lehren zur ersten Hälfte, daß die Erkenntniß des Herrn die Bestimmung des Menschen überhaupt sei, und zur andern Hälfte, daß sie insbesondere die Bestimmung Israels sei, dem anzugehören uns Gott gewürdigt hat. I. Der Herr sprach: Mein Antlitz soll mit dir gehen, und ich will dich zur Ruhe bringen; und Mose antwortete: wenn nicht dein Antlitz mit uns geht, so laß uns nicht hinaufgehen. Das Antlitz des Herrn soll mit uns gehen — was heißt, das, das Antlitz des Herrn? Nichts anders als die Erkenntniß des Herrn. An dem Antlitze erkennen wir Freund oder Feind, im Antlitze prägt sich die Seele des Menschen aus, das Antlitz ist der Spiegel, ist das Abbild der Seele. Das Antlitz Gottes aber ist kein sichtbares, sondern ein geistiges, das Antlitz Gottes sehen, heißt Gott erkennen, das göttliche Wesen begreifen und verstehen. Also soll das Antlitz Gottes mit uns gehen, die Erkenntniß des Herrn soll in uns wohnen, soll uns begleiten, mit uns gehen auf Erden, soll unser Führer und Geleiter sein auf den Wegen dieses Erdenrunds, auf den Pfaden dieses Erdenlebens. Meine Freunde, ich sage: Gott erkennen, Erkenntniß Gottes, ich sage nicht: Gott kennen, Kenntniß Gottes — denn dies ist himmelweit von einander verschieden. Wer kennt Gott nicht? Wer weiß nicht, daß ein allmächtiges, ewiges, unsichtbares Wesen über uns waltet, die Welt geschaffen hat, und sie erhält? Wer weiß nicht, daß dieses Wesen zugleich allweise, allgütig, allgerecht, allbarmberzig ist? Diese Kenntniß flieht Niemanden, ist Niemandem entgangen.