Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 96)
- Language
- German
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7L Welches ist aber diese innere Freiheit? Da gibt es Menschen, meine Brüder, welche meinen, sie wären frei, wenn sie Religion und Glauben, Gesetz und Gebot von sich werfen, wenn sie den Gott droben, die Blinden! leugnen, seine Weltregierung nicht anerkennen, wenn sie Tugend und Frömmigkeit von sich stoßen. Das nennen sie Freiheit! Die Wahnwitzigen denken nicht daran, daß sie selbst in die engsten und schmuzigsten Bande gefallen sind, in die Bande des Jrrthums, in die Bande des Unglaubens, des Verderbens, des Untergangs. Das ist nicht die wahre Freiheit des Geistes. Sondern diese ist: die feste Zuversicht znm einigen Gotte droben, die feste Zuversicht, daß unsere Seele nicht stirbt im Tode, die feste Zuversicht, daß die Tugend belohnt, das Laster bestraft wird; die wahre Freiheit ist es, wenn wir uns nicht zu Sklaven der Leidenschaften, zu Knechten der Begierden und Lüste, zu Dienern des irdischen Gutes machen; die wahre Freiheit ist es, wenn wir der sanften Leitung der Religion folgen zur Enthaltsamkeit, zur Reinigkeit, zur Ehrfurcht, Liebe und zum Gehorsam gegen Gott. Das ist die wahre Freiheit, Israeliten, und diese will und ist unsre Religion! — Und wie steht es nun um diese religiöse Freiheit in Israel, meine Brüder? Auch da erinnere ich euch an die Worte des Rabbi Chaja: die Erlösung Israels wird Anfangs gering sein, und dann immer größer und größer werden. Unser Tempel fiel in Trümmer, wahrlich nicht um die Tugenden unserer Vorväter! unser Volk ward zerstreut, wahrlich nicht um die echte Religiosität unserer Ahnen! unser Gottesdienst, der ein einiger war und sein sollte, ist zersplittert, dort eine portugiesische, hier eine deutsche, dort eine polnische und da gar eine karaitische Synagoge. Die Einen glauben, daß mit bloßem Gebete, ohne Andacht und Herzensneignng, ohne Aufrichtigkeit und gute Handlungen, Alles gethan sei; die Andern glauben, daß es keines Gebetes, keines Gottesdienstes, keiner Andachtsübung bedarf; die Dritten endlich kümmern sich um Nichts als um das Leben der Erde, um ihre Ver-