Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/7166791-9630800--1432-9623345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
75 gnügungen, um ihre Genüsse und ihre Güter, und lassen Religion und Gott weit hinter sich, als wären es Dinge, die sie nicht beträfen. Also steht es in Israel, und Wenige begreifen, was das Rechte sei! Auch das ist eine Gefangenschaft, eine Knechtschaft. So wisset ihr Einen, daß schon Jesaias gesagt: Dieses Volk nahet sich mir mit dem Munde, nur mit den Lippen ehren sie mich; ihr Herz aber ist ferne von mir! So wisset ihr Andern, die ihr fern bleibt von den Synagogen und heiligen Laden eures Volkes, daß ihr, wie auf schwaches Rohr, euch auf eure gebrechliche Tugend stützet; denn ohne Gebet, ohne Erinnerung an Gott und seine Lehre, ohne Zusammenhang mit eurer Religion wird sie in der Stunde der Versuchung nicht Stich halten, in dem Augenblicke der Gefahr euch verlassen. Wisset ihr Dritten endlich, daß ihr einher wandelt aus einer Schädelstätte, in die auch euer Haupt sich einst leget, und daß dann die irdischen Lumpen niederfallen, mit denen ihr euch brüstet und trotzet, und daß dann die Stunde des Gerichts euch nackt findet und schwach, daß ihr nimmer bestehet. — In Israel aber, also hoffen wir, wird die wahre Religiosität erwachen und immer größer und größer werden; es wird immer mehr werden was es sein sollte, ein priesterliches, göttliches Volk; mit seinen Gebeten wird Andacht, mit seinen Werken Frömmigkeit, mit seinen Gedanken die Religion des einigen Gottes sich vermählen. Was irdisch ist, vergeht, was göttlich ist, besteht. Dazu verhelfe uns der Vater droben, der uns erhalten bis hierher, der uns geschützt bis hierher, der uns in Knechtschaft geworfen, und uns zur Freiheit führt auf ewige Zeiten. Amen.