Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 94)
- Language
- German
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72 unglaubliche Beschränkung! kein Stand, kein Gewerbe, keine Gilde öffnete ihre Reihen, um einen Abkömmling Abrahams einzulassen; keine Kunst, keine Wissenschaft war für sie erreichbar; keine Ehre, keine Würde konnte sie auszeichnen, konnte ihren Fleiß, ihren Geist, ihr Streben adeln; in die finstersten Stadtviertel wurden sie eingeschloffen, fiemußten von ihrem Leibe Zoll und Tribut entrichten, damit ihnen Luft und Erde gestattet seien. Das war die Nacht, die Finsterniß, Israeliten, die unsere Großväter noch umgab. Wer, frage ich, wer war, in den dunkelsten Höhlen der Schmach, des Druckes, wer war ihr Licht? Der einige Gott, meine Brüder, droben! Er erhielt sie, ihm erhielten sie sich, trotz der Lockungen des Abfalls, trotz des Lohnes der Entsagung. Und diese Zuversicht täuschte nicht. Unsre Väter und wir und unsre Kinder sahen und sehen die liasellaellar, sahen und sehen die Morgenröthe der bürgerlichen Freiheit Hereinbrechen. Sind doch die Scheiterhaufen verschwunden, haben wir doch ruhige Wohnplatze erlangt, werden doch der Vorurtheile gegen uns immer mehrere zerstreut, sind wir doch Bürger der Länder geworden, deren Lasten wir tragen und die wir erhalten und vertheidigen helfen, können wir doch laut unsre Stimme gegen unsre Ankläger und Unterdrücker erheben — und wenn uns auch noch Vieles zu wünschen, zu erstreben und zu erlangen übrig bleibt, ist auch noch keinem unserer Söhne der Dienst des Staates geöffnet, sind wir auch noch an die Länder gefesselt, die wir einmal bewohnen, erleiden wir noch manchen Religionszwang, viele Vernachlässigung, manche Hintenansetzung: so vergehet doch kein Jahr, das uns nicht einen Schritt vorwärts bringe, immer mehr tritt der Tag der Befreiung an unserm Himmel herauf, und schon können wir mit Gewißheit voraussehen: einst wird der Name Israel nicht Schmach, sondern Ehre bezeichnen, und die, welche Israel angehören, werden sich rühmen ihres Ursprungs und ihres viertausendjährigen Adels! Also hat der Rabbi Chaja wahr gesprochen, meine