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Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin · 1854-01-01 · 1854 · p. Seite 70

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Journal
Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
Volume
1854
Date
1854-01-01
Page
Seite 70 (sequence 92)
Language
German
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70 schon die Keime des Todes mit uns herum. Unter der Schneehülle des Winters ruhet schon die Saat für den kommenden Frühling; und die Umwälzungen und Schicksale der Völker entspringen aus lange verborgenen Ursachen — so wie der Grund zum ganzen Geschicke des einzelnen Menschen schon in der frühesten Kindheit, ja in vieler Beziehung mit dem Augenblicke seiner Geburt schon gelegt wird. Darum spricht der Prophet nicht: in der Finsterniß ist Gott mein Tag, sondern mein Licht; die Nacht wandelt Gott nicht plötzlich zum Tage, sondern er ist nur das Licht, das uns die Nacht erhellt, und uns den Tag verspricht, der allmälig heraufsteigt. Diese Wahrheit aber, daß Gott Alles sich allmälig entwickeln, und einen bestimmten, ruhigen Gang wandeln läßt, kann sehr fruchtbar für uns werden. Denn erstens bezeugt sie die Unstatthaftigkeit aller Uebereilung, aller Eilfertigkeit, die mit einem Male aus der Wurzel den ganzen Baum haben will. Zweitens weiset sie auf Geduld, Beharrlichkeit und Beschränkung unsrer Wünsche hin, daß wir nicht mit einem Male allen Druck und alles Leiden von uns abgeschüttelt haben wollen, sondern der Alles.versöhnenden und heilenden Zeit harren. Drittens ist es der wahre Trost, wenn unser Wirken nicht gleich all' das Gedeihen, unser Streben nicht gleich all' den Erfolg hat, den wir wünschen und bezwecken. Der Säemann, meine Freunde, ist mehr als der Schnitter, denn jener arbeitet für die Zukunft, die er vielleicht nicht erlebt, dieser genießt die Frucht seiner Arbeit alsbald, und hat den Lohn seiner Mühe schon in den Händen. — Dies ist es, was der R. Chaja im Allgemeinen meinte, und was er nun im Besonder» auf Israel anwandte. Israel, wandelnd und weilend in der Finsterniß der Unterdrückung, verjagt aus seiner Väter Sitzen, aus dem geweiheten Lande seiner Religion, gebeugt unter dem Joche der Nationen, die das Recht des Menschen nicht anerkennen, verfolgt, gehöhnt und gemartert, Israel, will R. Cbaja sagen, Israel hat keine plötzliche Erlösung, keine Erlösung wie mit einem Schlage, wie ein Blitz zu

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