Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 91)
- Language
- German
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Da sagte R. Chaja: Also, Bar Rabbi, wird die Erlösung Israels geschehen; anfangs wird sie ganz klein sein, alsdann wird sie nach und nach immer größer werden. Darum spricht Micha: Weil' ich auch in der Finsterniß, Gott ist mir Licht. Also erging es mit Mordechai. Anfangs saß er im Thore des Königs, hernach steht: VM NLZl 'jyN NHWH^IHaman nahm das königliche Kleid und Roß, und bekleidete den Mordechai (6, 11.); und wiederum: Mordechai kehrte zurück zum Thore des Königs (V. 12.). Aber bald heißt es: Mordechai ging aus von dem Könige in königlicher Kleidung <8,15.) und endlich: ^,'1 NNW1 ^'18 N!^^n den Juden aber war Licht und Freude, Wonne und Ehre gekommen. (V. 16.) I. Ihr findet, meine Freunde, in diesen Worten des Rabbi Chaja viele Weisheit. Zuerst das Allgemeine: Gott in seiner Natur wie in seiner Vorsehung geht allmälig, entwickelnd zu Werke; da geschieht kein Sprung, kein plötzlicher Wechsel, kein schneller Uebergang, sondern wie die Nacht in den Tag erst durch Dämmerung und Morgenröthe übergeht, wie der Winter in den Frühling, die Kälte in die Wärme durch tausend Abstufungen tritt — also führet auch Gott die Schicksale der Völker und Menschen allmälig von einer Stufe zur andern. Zwar könnet ihr hierbei bemerken, wie allerdings bisweilen ein plötzlicher Wechselfall einzutreten scheint, plötzlich in das Leben der Tod, in das Glück das Unglück hereinbricht, aber das ist nur scheinbar, nur äußerlich. Alles dies war schon längst vorbereitet, längst lagen die Keime der Gegenwart in der Vergangenheit, nur unserm irdischen Blick blieb es verborgen, bis es, im Geheimen reif geworden, urplötzlich in die Erscheinung tritt. In der Blüthe unsrer Tage tragen wir