Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 57)
- Language
- German
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35 weiset der Winter den Menschen an den Menschen. Der Winter ist die Zeit der Notb für die Armen, die drückendste Zeit. Da sind alle Bedürfnisse um's Doppelte erhöht, der Mensch bedarf warmer Kleidung, Feuerung, warmer Nahrung, und während der Sommer tausend Erwerbsquellen eröffnet, verstopfet der Winter viele derselben. Darum rufet mehr denn alle Jahreszeiten der Winter uns zu: Kleide den Nackenden, speise den Hungrigen, öffne dein Herz der Barmherzigkeit, wärme die zitternden Glieder, stärke das erschlaffte Herz, und mache fröhlich das bekümmerte Gemüth des Familienvaters. Sehet, der Herr sendet sein Wort herab, und es schmilzt, läßt seine Winde wehen, und es thaut auf; so thauet auch ihr auf, lasset die Eisrinde eurer Herzen schmelzen, daß auch die Noth der Dürftigen schmelze vor eurer Gabe, und vor eurer Thal aufthaue das Drangsal des Sorgenvollen. Und da entschuldigt euch nicht, daß ihr das Elend nicht kennet, denn wer es suchet, wird es bald antreffen. Und da entschuldigt euch nicht, daß ihr selbst wenig besitzt, denn von Wenigem abgeben, ist mehr als von Vielem, ist wahrhafte Woblthat. Und erinnern kann euch die wohlbesetzte Tafel an die Brosamen des Armen, und das weiche Lager an das Strohlager des Dürftigen, und die warme Kleidung an die Blöße des Güterlosen. Und so wie ihr dessen euch erinnert, wird einst der Herr der Barmherzigkeit sich eurer erinnern, wenn euer Herz einst kalt geworden, eure Glieder starr, und die Furcht des Gerichtes euren Seelen Frost bringt. Dieses rufet euch der Winter zum Dritten ins Herz, und mag dieser Ruf nicht ungehört verhallen, sondern eine warme Stätte finden in eurer Brust. IV. Der Winter endlich, bedenkt es, weiset viertens auf das Ende des Erdenlebens hin. Stellt er uns nicht den Gedanken des Todes ganz dicht vor die Augen? Was z*