Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 58)
- Language
- German
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36 half es dem starken Baume, tausend Blätter und tausend Früchte hervorzutreiben? Blätter und Früchte fielen ab, und vergehen. Das Leben stockt in der ganzen Natur. Und obschon der Sturm viele Blätter abreißet vom Baume, bevor sie welk geworden, die meisten harren, bis die Hand des Todes sie abpflückt. Die Kindheit ist ein lächelnder Frühling, die Jugend ein glühender Sommer, und wer im Mannesalter stehet, gleichet dem reifenden Herbste. Dann kommet im Leben, wie im Jahre, der Winter, und dieser führet das Leben der Erde zum Abschiede. Da müssen wir sagen, wie der fromme Isaak in der heutigen Sidra: N2N Siehe, ich bin alt geworden, ich kenne nicht den Tag meines Todes. Aber lasset uns hierüber nicht Gram empfinden. Der Herr sendet sein Wort, und es schmilzt, er läßt seine Winde wehen, und es thauet auf. Birgt nicht gerade der Winter im Schooße der Erde die junge Saat für das künftige Jahr? Deckt er nicht gerade sein Schneetuch über dieselbe, daß sie unter diesem keime und wachse zu neuer Ernte? Dies lasset uns bedenken. Im Schooße des Greisenalters ist die Saat verborgen für das jenseitige Leben; die zarten, jungen Sprossen für die Ernte des Himmels. Das weiße Haar des Greises bedeckt die Keime der Ewigkeit; und wenn die Fröhlichkeit der Jugend und die Kraft des Mannes geschwunden sind, so besitzt das Alter Rath und Verstand, Ernst und Weisheit, die Leidenschaften schweigen, die Lüste und Begierden sind gefesselt, die Erde hat ihre Reize verloren, und der Gedanke des Jenseits wohnet und wächst in der Brust des wahrhaften Greises, der am Leben gereift und gealtert. Und so ist denn der Tod nur das Wort des Herrn, vor dem der Schnee der Erde schmilzt, nur der Hauch des Ewigen, vor dem das Eis des Winters aufthauet! —- Amen.