Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 55)
- Language
- German
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33 wohl in unsere eigene Gedankenwelt hinein, und die Lage unseres Lebens, und der Wechsel dieser Tage, und die Freuden und Sorgen dieses Wechsels, und die verblichenen Schatten der Bergangenheit steigen in unserer Seele, vor unserer Erinnerung herauf. O möchten es doch oft Gedanken des Ernstes sein, die des Winters Ernst da beraufbeschwört in uns! möchten wir mit der Flüchtigkeit der Sommerfrenden auch die Flüchtigkeit unseres Sinnes verlieren! möchte doch der Gedanke an unser besseres Selbst aufwachen in uns mit aller Macht, und uns an halten zur Selbstveredlung, zur Erfüllung unseres Lebenszweckes, zur Religion, zur Tugend und Rechtlichkeit!— Oder wir nehmen wohl auch ein Buch zur Hand — möchte doch das Buch, das wir da zur Hand nehmen, recht oft dieses Buch des Lebens sein, das das Gemüth erquickt, und den Unkundigen belehrt, und das Herz erhebt, und die Augen erhellt, und rein ist, und dauernd in Ewigkeit, und Wahrheit, und ge* recht allzumal, und köstlicher denn Gold, und süßer denn Honig. (Ps. t9.). — Wie es erhaben ist, meine Freunde, wenn am Winterhimmel die unzählbare Heerde heraufsteigt, deren Hirt der Ewige ist, so mag auch die Zahl der Gedanken erhaben sein, die da am Himmel unseres Geistes beraufsteigt — wir wollen hinaufsenden zu den Sternen unsere Sorgen und Schmerzen, und uns herabholen Trost und Würde in unsere Brust. Wir wollen lernen, wie zwar die Erde sich wandelt, aber der Sternenhimmel ewig über ihr steht: so wandeln sich auch die Freuden und Schmerzen der Erde, aber die Religion und die Lehre Gottes steht ewig über denselben — und Israel endet nicht, und sein Glaube nicht, der von den Sternen kam, und seines Gottes Geheiß und Verheißung nicht — wenn auch Israels Söhne sich wandeln und abirren, und sich verirren und sich verlieren von dem Wege ihrer Väter. Auch unser Stamm, Geliebte, wandelte durch Frühling, Sommer und Herbst in den Winter hinein — einen langen Winter: viele Blüthen sind 3