Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 1854
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 54)
- Language
- German
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Flur nicht auf ihr Grün, die Blumen nicht auf ihre Farben und Düfte, denn der Winter nimmt sie ihnen: so sollte der Mensch nicht stolz sein auf seine irdischen Blumen und Früchte, Künste und Güter, sich nicht überheben seiner irdischen Freuden und Schönheiten, denn sie werden ihm Alle genommen, und der Winter seines Lebens läßt nichts davon übrig, als die Erinnerung — Scheinblumen, an's Fenster gemalt, und vom ersten Hauche verlöscht. Dies lehret uns der Winter zuerst, dies ist das erste Echo der Natur auf das Wort der heiligen Schrift: Er bringet seinen Schnee wie Wollenflocken, streuet seinen Reif wie Asche, wirft Eis in Schollen! H. Meine Freunde! Der Frühling ist heiter, der Sommer voll Luft, der Herbst fröhlich, aber der Winter ist ernst. Warum? Die Natur hat ihr Festkleid abgeworfen, und das Arbeitskleid niedergelegt, aber ein Fastenkleid angethan. >Sie ist des bunten Flitterwerks überdrüssig, und des Schmucks und Tandes müde geworden. Die Sternenkrone auf dem Haupte, und die weiße Hülle um die Glieder, will sie ruhen vom Schaffen und Treiben, gleichsam ihren ferneren Gang mit sich überlegen, und die Gedanken der Schöpfung bedenken. Sie hat alle Lust und sinnliche Freude verbannt, sie hat ihre Nächte gedehnt, ihre Tage gekürzt, ihre Winde wehen rauher und heftiger, ihre Ströme hält sie im Laufe an. Darum führet der Winter auch den Menschen von der äußeren Welt ab, und weiset ihn zweitens—-nach innen, in sein eigenes Inneres hinein. — Ein Jeglicher eilet von seinen Wegen nach Hause, von den Straßen in die Gemächer, so auch von der äußern Welt in seine Seele hinein. Der Sommer lockt uns hinaus in die blühende Natur, in das reizende Gefilde, zu lustwandeln unter den grünen Laubdächern, aber der Winter verscheucht uns aus der Flur in unsere Häuser und Klausen hinein. Wenn dann die Stunden der langen Abende sich langsam abspinnen, dann spinnen wir uns