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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 23-24 (1905) · p. Seite 382

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
23-24 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 382 (sequence 34)
Language
German
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382 JUNG ISRAEL Kain hörte nur die letzten Worte und rief wütend dem Bruder zu: „Hort von diesem Uelde, denn die Erde ist mein! Mir gehört die Erde, mir allein, hörst du, mir ganz allein. Da du aber noch immer auf meiner Erde dich aufhältst, so will ich selbst dich wegschaffen, hier, fühle ineine Fanst," — und entseelt lag Abel zu seinen Füssen, nur von seinem Hunde bewacht und beklagt. Auf das Geheul des Hundes eilten Adam und Eva herbei. Sie sahen ihren Sohn regungslos auf der Erde liegen, und da sie den Tod noch nicht kannten, glaubten sie, ihr Sohn sei eingeschlafen. Aber Stunden verstrichen, mtb noch immer warteten die ahnungslosen Eltern auf das Erwachen ihres erschlagenen Kindes. Da bemerkte ein Rabe, der unweit von ihnen auf einem Baumast stand, ihre Bestürzung und Unbeholfenheit und sprach zu sich selbst: „Die unglücklichen Menschen scheinen nicht zu wissen, was sie mit dein Leichnam ihres Kindes beginnen sollen, so will ich sie belehren." Und er nahm einen kürzlich verendeten Raben, trug ihn in die Nähe von Adam und Eva, grub so lange mit seinem Schnabel in der Erde, bis er ein kleines Loch ausgehackt hatte, legte den toten Gefährten hinein und bedeckte ihn mit der ausgegrabenen Erde. Es war ein stmnmer und gar trauriger Unterricht; aber Adam und Eva incrften auf ihn, — und auch sie höhlten eine Grube und legten den entseelten Körper ihres Sohnes Abel hinein. Gott aber blickte vütn Himmel herunter und verscheuchte die Ruhe aus dem Herzen Kains, so daß er nnstät und flüchtig auf der nun ihm nur allein gehörenden Erde uncherirrte. Von Gewissensbissen geplagt, hatte aber Kain feine ruchlose Tat bald aufrichtig bereut und den festen Vorsatz gefasst, sich zu bessern. Und Gott erbarmte sich seiner und drückte ihm das Zeichen seiner Vergebung auf die Stirne. Als Adam kurz darauf seinem Sohne begegnete und das Zeichen auf seiner Stirn bemerkte, sprach'er: „Wie ist es dir nur gelungen, Gottes Zorn zu besänftigen?" „Mein Vater," erwiderte Kain, „ich habe meine Schuld eingestanden,-meine schändliche Tat aus der Tiefe des Herzens bereut und den allgütigen Gott um Erbarmen und Gnade angefleht." „Wehe mir," sannnerte nun Adam, „so groß ist die Macht der Buße, und ich wußte es nicht. Hätte anch ich meine Sünde bereut, so wäre doch auch mir Verzeihung geworden. Ich hätte nicht das Paradies verlassennu'lssen,unddieMenschheit wäre vomTode verschont."

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