Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 23-24 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL 381 verkünden!" Und kaum hatte der Ewige diese Worte gesprochen, da verließ der Genius der Wahrheit den Himmel und befand sich gar bald auf der Erde. Da erfaßte die übrigen Engel tiefes Mitleid und sie flehten: „Beschäme doch, o Gott, dein Jnsiegel nicht, und hebe die Wahrheit wieder zu dir empor." Und der Ewige tröstete sie und sprach: „Leid ruhig, meine Kinder, die Wahrheit wird von nun ail aus der Erde hervorsprießen." Als die Engel dies hörten, fielen sie auf ihre Gesichter und riefen im fröhlichen Chor: „Ewiger unser Herr! Mächtig ist dein Name auf der ganzen Erde!" Und Gott erschuf beit Menschen und wies ihlu den Erdboden zum Wohnsitze ail. Aber schon die ersten Adalnskinder, Kain und Abel, obwohl sie fast die alleinigeil Besitzer der Erde waren, vermochten nicht in Friedeil und Eintracht lieben einander zu leben. Neid ulld Ehrgeiz waren in ihre Gemüter cillgezogen und hatten ihre Herzen mit Gelüsten und allderen bösen Eigenschaften erfüllt. Abel jedoch war klüger und edlerii Gemütes als sein Bruder Kain, und da er nicht länger mit diesem in Streit leben wollte, schlug er ihn: vor, die Erde mit ihm zu teileil, auf daß jeder seinen Teil in Frieden genieße. Kain erklärte sich mit diesem Vorschlag einverstanden, und sie schritten sofort zur Teilung; Kain wählte die Erde und Abel alles Bewegliche auf der Erde. Allein schon nach einigen Tagen bereute Kain, auf den Vorschlag seines Bruders eiugcgangen zu sein, denn er wollte allen Besitz an sich reißell ltnb suchte daher Gelegenheit, mit seinem Bruder Händel anzufangen. Als er einst ben Abel auf einer Wiese neben seiner Herde liegen sah, stürzte er auf ihn zu und sprach: „Wie kannst du es nur wagen, auf meiner Erde zu liegen, meinen Boden auch nur mit einem Fuße zu betreten? Ich erlaube nicht, daß du dich in meinem Reiche, auf meiner Erde aufhaltest. Hinaus, fort mit dir!" Abel erschrak über diese plötzliche Aufforderung, doch faßte er sich bald wieder und bemühte sich, den Bruder zu besänftigen. „Höre mir zu, Kain," sprach er, „dächte ich ebenso wie du, so müßtest du das Kleid, das du dir aus der Wolle meiller Schafe angefertigt hast, sofort oblegen; aber ich lasse es dir, weil du auf uleine Wolle nicht minder angewiesen bist, als ich auf deine Erde."