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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 23-24 (1905) · p. Seite 383

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
23-24 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 383 (sequence 35)
Language
German
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JUNG ISRAEL 383 Die zwei JVüinzcti* (legende.) Eil! frommer Mann hatte ein Gelübde getan, wie groß auch sein Elend sei, kümmerlich von dem eignen Verdienste zu leben und nie von der menschlichen Mildtätigkeit irgend eine Unterstützung zu erbetteln. Aber der Anne wurde in kurzer Zeit in so tiefes Elend versetzt, daß ihm als Bett nur noch der nackte Boden und eine zerrissene Decke blieb, und ihn: die Kleider in Stücken vom Leibe herabhingen. Aber auch das grausamste Leid hätte er lieber'ertragen, als sein Gelübde zu verletzen. Eines Tages, als er ganz allein war und bittern Hunger litt und weinte, erscheint ein unbekannter Araber bei ihm, der sich in ein vertrauliches Gespräch mit ihm einläßt und ohne zu zeigen, daß er sein Elend bemerke, ihm zwei Münzen leiht, mit welchen er ein kleines Geschäft anfangen falle, mit der Bedingung, daß er sie ihn: wieder zurückgebe. Der fromme Mann bedenkend, daß das Tarlehn kein Geschenk sei, und von der Not gezwungen, nimmt an. Kaum hatte er jene zwei Münzen in der Tasche, so fühlte er sich als einen ganz andern Mann, als früher. Gestärkt durch neue und ungewohnte Hoffnungen, gekräftigt durch ein neues Leben, geht er, Arbeit zu suchen; und er hatte nicht lange zu suchen und fand bald, was er wünschte. Unterdessen bediente er sich jener zwei Münzen, um geringe Ware zu kaufen und mit ihr Handel zu treiben. Von jenem Tage an fchlug ihm alles zu Glück aus, jeder Versuch hatte einen günstigen Erfolg. Jnnner Arbeit im Ueberfluß, innner gute Geschäfte, immer größere Gewinste; und so von Ersparnis zu Ersparnis, von Gewinn zu Gewinn, kam er in den Besitz eines ansehnlichen Vermögens. Aber sobald der Reichtum an die Stelle der Armut getreten war, verschwanden die alte Frömmigkeit und Reckftschaffenheit.

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