Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 23-24 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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360 JUNG ISRAEL ich vermag eine Erklärung nicht zu finden. Gott beschütze uns und Joseph." Mit der Freude der Kinder war es auf einmal aus. Still faßen sie am Tische und warfen scheue Blicke auf die Menorah ihres Bruders. Da klopfte es heftig an die Haustür. Der Hund bellte laut und riß an die Kette. Der Vater sagte: „Wer mag bei diesem Wetter auf der Landstraße sein!" und eilte zu öffnen. Aus der geöffneten Zimmertür drang ein breiter Lichtstrahl in den Flur, in den Joseph stürmte. „Vater, Mutter —" und er wurde von den Seinigen umschlungen. „Joseph, wie kannst Du bei solchem Wetter kommen — guter Gott, wie siehst Du aus!" rief die Mutter. Die Kleider hingen schneeschwer, durch und durch naß an seinem Körper, seine Gesichtszüge zeigten Spuren großer Erschöpfung, aber seine Augen leuchteten vergnügt. „Sofort legst Du andere Kleider an." Da begann Fritzchen, das Josephs Hand noch nicht losgelassen hatte: „Armer Joseph, Dein Schammes ist verschwunden." Er lächelte, und die Blicke Aller hefteten wieder an der Menorah. Aber ein Schrei der Verwunderung, der Schammes war wieder an Ort und Stelle und leuchtete, wie am Anfang des Abends. „Das begreife ich nicht," murmelte der Vater und setzte sich. „Ich werde es Euch erklären," rief Joseph und begann seine Erzählung. Lautlos hörten die Seinen zu. Während des Berichtes rückten leine Geschwister immer näher zu ihm, Fritzchen saß auf seinem Schoß. Als er geendet hatte, umarmte ihn seine Mutter mit Tränen in den Augen, sein Vater aber sagte ernst: „Danke Deinem Schöpfer, der Dich auf wunderbare Weise gerettet hat." Den Kindern aber tat es sehr leid, daß sie nicht bei ihrem Bruder im Wald gewesen waren und das schwebende Licht und all die Tierleiu nicht gesehen hatten. — Josephs schönste Erinnerung aber für das ganze Leben war und blieb die Chanukanacht im Walde. —