Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 23-24 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL j am achten Chanukaabend verbreiteten Helligkeit. Die Mutter hatte süßen Punsch bereitet, die Kinder spielten Trendelchen und machten j solchen Lärm, daß die Mutter sich die Ohren zuhielt. Der Vater tz aber meinte gutmütig: „Lasse nur, Mutter, es ist Chanuka, da dürfen sie ein bißchen mehr Spektakel machen." Auf eimnal aber wurden die Kinder von selbst ruhig. Der Sturm hatte sich erhoben und tobte so in den Lüften, daß er ihren Gesang und das Lachen übertönte. Sie eilten ans Fenster, da sahen sie ein so tolles Flockengewirbel, daß sie laut ausschrien. Es war jetzt draußen unheimlich lebendig. Die Bäume ächzten unter der Wucht des Sturmes, der Hund heulte in seiner Hütte, und ein Käuzchen schrie. Der Vater sagte: „Wie behaglich ist es unter sicherm Dach! Gott stehe dem bei, der jetzt draußen ist, der ist ein verlorener Mann." Da fing Fritzchen an zu weinen. Er stannnelte: „Joseph, Joseph soll kommen." Die Mutter erwiderte: „Närrchen, Joseph ist beim Onkel in Korndorf und kann noch nicht zurückkehren." „Doch ich habe ihn jetzt am Fenster gesehen» er soll hereinkommen." Die Kinder stürzten ans Fenster, doch keiner war da. Der Vater meinte ärgerlich: „Ich begreife den Jungen nicht, er träumt mit offenen Augen." Fritzchen aber beruhigte sich nicht und wiederholte: „Ich habe ihn gesehen, er war an seiner Menorah." Unwillkürlich blickten sie nach Josephs Lichter. Aber ein Ruf des Erstaunens klang durchs Zimmer — der Schammes, dessen Licht über den andern Lichtern stand, war verschwunden. Der Vater fragte die Kinder, ob eins den Schammes entsernt hätte, aber alle beteuerten „nein". Vor einer halben Stunde hatten sie angezündet, die Mutter hatte vom Adler noch ein Tröpfchen Oel entfernt, niemand hatte sich inzwischen aus dem Zimmer entfernt, und kein Fremder war eingetrelen. .* Der Vater war düster geworden. „Das ist unbegreiflich und