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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 23-24 (1905) · p. Seite 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
23-24 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 358 (sequence 10)
Language
German
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358 JUNG ISRAEL gingen und er erhob sich nicht, der Kopf sank ihm auf die Brust und er konnte dem Schlummer nicht widerstehen. Die Kälte stieg von den Füßen immer höher und schlug seinen Körper in ihren eisigen Bann. Seine Gedanken weilten bei den Seinigen. Er sah seine Eltern und Geschwister um den runden Tisch sitzen, das Zimmer war von den Ehanukalichtchen erhellt, aber es war so kalt, so kalt. Er wollte rufen: „Zündet doch den Ofen an," aber die Stimme versagte ihm. Da erhob sich das jüngste Brüderchen, das Fritzchen, und rief: „Die Lichtchen von Joseph leuchten doch am hellsten, schade, daß er nicht hier ist." Er wollte erwidern: „Ich bin doch hier," da wurde es dunkel und ihm kam zur Besinnung, daß er einsam und verlassen im Walde war.. Schauer durchrieselte seinen Körper, er wollte sich aufrichten und konnte nicht, da glaubte er durch die geschlossenen Augen einen Lichtschein zu bemerken, mit Gewalt suchte er Herr über die herannahende Betäubung zu werden und sprang auf. Gott sei Lob und Dank, es war keine Täuschung. In der Ferne schimmerte Licht, das näher kam. „Menschen, Rettung," jauchzte er, und stürzte dem Schein entgegen. Im Nu war er beim Licht — aber er bebte zurück. Kein Mensch trug die Fackel, die Flamme schwebte in Manneshöhe in dev f Luft und hielt einige Schritte vor ihm an, trotz des Windes ruhig und hell brennend. „Was soll das bedeuten?" murmelte er und blickte erstaunt, verblüfft auf das Wunder. Da sah er etwas Glänzendes hinter der Flamme. Er trat näher, schaute und rieb sich die Augen, weil er noch zu träumen glaubte. Vor ihm schwebte der Schammes von seiner Menorah, der silberne Adler, und hielt das Licht. Josephs Müdigkeit war verschwunden, frische Kräfte durchströmten ihn. Er folgte dem freundlichen Lichte, machte den Weg aber nicht allein, sondern erhielt Geleite. Von allen Seiten trippelte und trappelte es herbei. Das Wild wurde von den Flammen angelockt, und Hirsche und Rehe wandelten mit, ohne Furcht und ohne Scheu. Die Vögel wachten und flatterten auf, nur die Eule blieb verdrießlich in ihrem hohlen Baum und machte Glotzaugen. — Während der arme Joseph halb erfroren im Walde umherirrte, saßen die Seinen vergnügt im warmen Zimmer und freuten sich der festlichen Lichtlein, denn die Menorahs von Vater und vier Söhnen

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