Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 22 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL 351 Der rothaarige Hiesel meinte: „Bei Tage können wir nichts ausrichten. Müller hat zahlreiche Knechte nnb er selbst ist mntig und stark. Da könnte es nns bös ergehen. Aber Abends nach Feierabend, wenn die Knechte nicht zu finden sind, wollen wir es wagen. Da gibt es reiche Beute." Und so gingen die Räuber an jenem Tage bis in die Nähe des Gasthauses und warteten ans die Nacht, um die arglose Familie zu überfallen. Es wurde den Strolchen bitterkalt und sie mußten von einem Bein aus das andere hüpfen, um nicht zu erfrieren. Endlich ward es finster, das Zimmer erhellte sich und die Räuber schlichen näher. Einer flüsterte lachend: „Sie haben Lichter an's Fenster gestellt, damit wir gut sehen können." Aber je mehr sie sich näherten, desto heller wurden die Lichter. Wie die Räuber am Fenster standen, strahlten die kleinen Oellichtchen in blendendem, blutrotem Scheine, den entsetzten Männern schien es, als ob die ganze Stube mit lodernden Flammen angefüllt wäre, die hin und her wogten und mit feurigen Spitzen in die Höhe züngelten. Als ihnen nun vorkam, als ob eine Hand aus den Flammen hervor sich drohend gegen sie streckte, stürzten sie zurück und liefen voller Schrecken in Hast so weit, bis sie von dem Haus nichts mehr erblicken konnten. Atemlos, keuchend blieben sie stehen und gelobten, dem einsamen Gasthaus niemals etwas Böses zusügen zu wollen. Die Familie Müller hatte von alledem nichts gemerkt. Alle saßen friedlich beisammen, freuten sich des Chanukafestes und wußten nicht, welche schreckliche Gefahr ihnen gedroht, noch aus welche wunderbare Weise Gott sie beschützt hatte. — Joseph saß warm und geborgen bei seinen Verwandten in Korndorf und feierte dort Chanuka. Mit dem Eintritt des Frostes hatte sich der Zustand seines Onkels gebessert, so daß er im Zimmer herumhumpeln konnte. Der alte Mann wurde auch gut gelaunt und sagte: „Joseph, wenn die Besserung meines Beines anhält, kannst Du die letzten Tage nach Hause gehen." „Das freut mich, Onkel, ich habe Verlangen nach dem kleinen Fritzchen." Seine Verwandten lachten. „Da können sich ja Deine Eltern und anderen Geschwister geschmeichelt fühlen."