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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 22 (1905) · p. Seite 350

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
22 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 350 (sequence 18)
Language
German
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350 JUNG ISRAEL gerechte Strafe dafür, daß ihr trotz unseres strengen Verbotes Euch bis zur Dämmerung im Walde aufgehalten habt. Gott belohnte aber eure Mildtätigkeit gegen die Tiere durch die wunderbare Rettung." Das kleine Fritzchen aber fing nachträglich furchtbar an zu schreien, weil der Wolf es beinahe hätte beißen wollen. Die Kinder aber gelobten ihren Eltern, von jetzt an immer bei Hellem Tag zurückzukehren und hielten auch Wort, keines von ihnen wollte nachts von den Raubtieren gefressen werden. — Chanuka kam heran. Die Kinder holten jubelnd die Menorah's aus dem Schrank. Jeder der Knaben hatte eine eigene, so daß eine stattliche Reihe von Lichtern zusammenkam. In der damaligen Zeit waren die Menorahs meistens aus Kupfer, oft kunstvoll gearbeitet. Sie wurden mit Oel gespeist und das Füllen und Anzünden ging selten ohne Flecken ab. Joseph aber besaß eine uralte silberne Menorah, ein Geschenk seines Großvaters, dessen ältester Enkel er war. Sie hatte die Form einer Burg, auf den Zinnen waren acht Lämpchen und daneben stand ein Adler, der in einer Kralle ein größeres Lämpchen, den Schannnes, hielt. Das jüngste Knäblein, das von allen Kindern, am meisten aber von Joseph verzogen wurde, kam mit dieser Menorah herangetrollt. „Ich zünde für Joseph an, sein Licht muß auch bei uns sein." Seine Eltern lachten und ließen ihn gewähren. Mit großer Feierlichkeit wurde am ersten Abend angezündet und mit dem Baß des Vaters und den Hellen Stimmen der Kinder klang das Moaus zur Jeschuossi gar lieblich. Die Kinder stellten die Lichter an's Fenster und sie färbten den Schnee vor dem Hause mit rosigem Schein. Die Kleinen riefen freudig: „Vater, Mutter, seht einmal. Wie wird es, wenn immer ein Lichtlein mehr kommt!" Durch die ungewohnte Helle geweckt, kamen die Vöglein und besahen mit schief gehaltenem Köpfchen die freundlichen Lichter. Aber nicht nur die unschuldigen Vögel wurden durch das Licht angelockt. Zu jener Zeit machten einige Räuber die Gegend unsicher. Die hatten nun beschlossen, das einsame Wirtshaus im Walde zu überfallen. Sie saßen in der räucherigen Stube bei ihrem Anführer zusammen und überlegten, wann der Angriff stattfinden sollte.

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