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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 22 (1905) · p. Seite 352

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
22 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 352 (sequence 20)
Language
German
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352 JUNG ISRAEL „Ja, es ist aber so. Ich freu mich auf alle, am meisten aber aus den kleinen Knirps." Joseph hatte noch so viel zu tun, daß ihn sein Onkel erst den achten Tag beurlauben konnte. Der grillige Mann hatte ihm noch so vieles aufzutragen, daß er seine Arbeiten nicht vor Nachmittags beendigt hatte. Die Tante hatte ihren Mann ermahnt, den Jungen nicht so lange aufzuhalten, der aber brummte: „Das Stündchen macht er spielend ab. Es ist nicht mehr so kalt und der Weg ist gut." Joseph, der sich vor Ungeduld kaum zu lassen wußte, nahm raschen Abschied und eilte fort. Es war nur kein Stündchen, sondern anderthalb Stunden und Joseph schritt mit raschen, festen Schritten drauf los, um noch vor Anzünden zu Hause einzutreffen. Es war nicht mehr so schneidend kalt, am Himmel zeigten sich einige Wolken. Als Joseph ein Viertelstündchen von Korndors in den Wald gelangte, den die Landstraße jetzt auf viele Meilen durchzog, stieß er einen unmutigen Ruf aus. Die Straße war mit fußhohem Schnee bedeckt, der durch das mildere Wetter seine Festigkeit verloren hatte und in dem die Schritte des Wanderes einsanken. Auf diese Weise konnte er nur langsam voran gelangen, und nur die Sehnsucht nach Hause verhinderte, daß er wieder umkehrte. Der Himmel bewölkte sich immer mehr und mehr. Der einsame Wanderer sah sorgenvoll durch die kahlen Wipfel, wie sich die Wolken immer tiefer senkten und dichter zusammenzogen. Er beschleunigte nach Möglichkeit seine Schritte. Seiner Berechnung nach mußte er die Hälfte des Weges bereits zurückgelegt haben und gleich kommt der Fußpfad, der den riesigen Bogen der Landstraße abschneidet. Dann ist er rasch zu Hause. Da siel ein Schneeslöckchen. Noch eins. So weich wie Flaum senkte es sich aus Josephs Aermel und über das unschuldige, zarte Gebilde erstarrte er fast vor Schrecken. Er kennt den Winter seiner Heimat und wenn ihn hier ein Schneesturm packt, ist er verloren. (Schluß folgt.)

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