Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 22 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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1 x. JUNG ISRAEL 349 machten einen Platz vor dem Hause schneefrei und streuten Körner und BroLstückchen darauf. Die Vöglein kamen scharenweise an den gedeckten Tisch und die Kinder, die durch die Scheiben zuschauten, hatten ihre Freude daran. Auf eine Lichtung hoch im Walde legten sie jeden Tag Bündel duftendes Heu, das von den Hirschen und Rehen rein ausgezehrt wurde. Sogar das kleine Fritzchen trippelte immer mit und wollte heften. An einem besonders kalten Tag zogen sie den hochbeladenen Schlitten auf dem schmalen Pfad, der aber bald so eng und steil wurde, daß sie mit dem Schlitten nicht weiter konnten. Sie nahmen nnn die Bündel Heu und trugen sie auf die Waldblöße, lachend und sich unterwegs neckend. Als das Futter an Ort und Stelle und ausgebreitet war, spielten die Kinder und warfen sich mit Schneeballeu. In ihrem Eifer achteten sie nicht auf die zunehmende Dunkelheit, plötzlich war es Nacht. Da fingen die beiden kleinsten Kinder an zu weinen und klammerten sich an die größeren Geschwister. Die trösteten sie und sagten: „Wir gehen jetzt herunter, dann sind wir rasch zu Hause." Mit den Kleinen konnten sie aber im Schnee nicht laufen, es ging auf dem dunkeln Pfad langsam. In dem abendlichen Wald war es still, auf einmal klang aus der Ferne das Heulen eines Wolfes. Die armen Kinder erschraken gewaltig. Die Großen fingen laut an zu beten und zogen ihre Geschwisterchen rasch voran. Das Heulen ertönte näher, die Kinder glaubten zwischen den Stänuuen ein Tier sich bewegen zu sehen. Sie schrien verzweiflungsvoll, in dem einsamen Walde aber nahte keine Hilfe. Das Raubtier kam dem Pfad bis auf wenige Schritte nah, die Kinder sahen mit Grauen seine glühenden Augen und den offenen Rachen — da entstand ihnen Rettung auf besondere Weise. An dem Weg lag Gestrüpp, von dem Wind und der Schneelast geknickte Aeste, das seit Jahren nicht entfernt worden war.. Das vermoderte Holz fing plötzlich an zu leuchten; soweit es lag, schimmerte es in blauem Lichte. Der Wolf wagte nicht, darüber zu springen. Er trat langsam in den Wald zurück, die Kinder eilten weiter und waren bald im sichern Heim. Atemlos stürmten sie ins Zimmer und erzählten den Eltern ihr Abenteuer. Der Vater sagte ernst: „Die Todesangst war die