Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 21 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNO ISRAEL 329 Da bückte sich der Wind, nahm den kleinen Fwtz auf den Rücken und hieß ihn, sich ürdentlich festhalten! Dann breitete er die mächtigen Flügel aus und stieg in die Höhe. Solche Fahrt hatte Fietz noch nie in seinem Leben gemacht. Im Fluge, hussa, ging es über Berg und Tal, über Städte und Dörfer. Manchmal konnte er die weißen Wolken am blauen Himmel greifen, dann wieder flogen sie dicht über die Erde dahin und streiften beinahe die Wipfel der Bäume, die sich alle nach einander neigten, wenn der Wind vorüberkam. Das Büblein jauchzte vor Lust und schrie und fang mit dein Wind um die Wette. Gegen Abend flogen sie wieder dem Dorfwalde zu. Dort hatten die Bäume ihre schönsten Herbstkleider angelegt. Pappeln und Birken prangten im herrlichsten Gelb. Der Ahorn und der wilde Wem waren wie in rote Schleier gehüllt. Auch die Buchen und Eichen hatten sich festlich geschmückt. Als die Bäume den Wind sahen, nickten sie grüßend mit den langen Armen und machten tiefe Bücklinge. Aus einen Hügel mitten im Walde ließ sich endlich der Wind nieder. „Hier will ich mich ein wenig verschnaufen," sagte er zu Fietz, „dann erst soll der Tanz ordentlich losgehn". Inzwischen war die Sonne schon zu Bett gegangen, und die Sternlein singen an, eines nach den: andern auszuwachen. Der Wind sang leise vor sich hin, und die Bäume schlugen den Takt dazu. „Soll jetzt der Tanz ansangen?" fragte Fiel:. „Noch nicht," sagte der Wind, „es muß erst heller werden." Im Osten stieg jetzt groß und leuchtend der Mond aus und bestrahlte den Hügel, aus dem der Wind und Fietz saßen. Der Gesang des Windes wurde stärker, und die Äste der Bäume bewegten sich heftiger. Alles schien im Walde lebendig zu werden; es flüsterte und rauschte, es kicherte und erzählte geheimnisvolle Geschichten. Fietz rückte dichter an den Wind heran, denn ihm fing an etwas bange zu werden. Der Mond stieg immer höher und verbreitete einen beinahe tageshellen Glanz. Plötzlich ertönten zwölf Helle Schläge vom nahen Kirchturm. Da sprang der Wind aus, so daß sein langer Mantel hoch empor flatterte und pfiff einen lustigen Tanz. Fietz riß die Augen vor Erstaunen weit auf, denn nun geschah etwas Wunderbares.