Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 21 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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330 JUNG ISRAEL Ein Baum nach dem andern bückte sich, zog langsam und bedächtig seine Wurzeln aus dem Erdreich heraus und sing an, sich im Tanze zu drehen. Die zuerst ansingen, waren die Birken am Waldesrande. Tie standen zwar aus sehr krummen Beinchen, aber das kümmerte sie weiter nicht. Besaßen sie doch schöne, silberweiß glänzende Stämme und hatten dazu noch schmucke, gelbe Ballkleider an. Hüben und drüben am Waldwege standen zwei Bäumchen, schlank und zart, die hatten sich schon den ganzen Sommer über sehnsüchtig angeblickt. Jedes hätte so gern einen Freund gehabt, und doch konnten sie nicht miteinander reden, denn sie waren sehr klein und ihre Stimmchen noch schwach. Als sie sahen, wie die andern Bäume sich losmachten und tanzten, litt es sie auch nicht mehr aus ihrem Platz. Sacht, ganz sacht zogen sie eine kleine Wurzel nach der andern heraus, und mit leisem Ausrauschen der Blätter stürzten sie auf einander zu, faßten sich um und singen an zu tanzen. Dabei waren sie vor Freude leuchtend rot geworden, so daß am andern Morgen die Menschen bewundernd vor ihnen stehen blieben. Ganz zuletzt stiegen auch die alten Eichen und Buchen aus der Erde heraus, reichten sich die Zweigspitzen und tanzten einen bedächtigen Großvatertanz. Bald drehte sich alles im Kreise um den Hügel herum. Nun hörte der Wind mit Pfeifen auf und sing wieder an zu singen. Das klang gar wunderbar und bittend, aber leider konnte Fietz nicht verstehn, was er sagte. Nur merkte er aus einmal zu seinem Schrecken, daß alle Bäume ihn ansahen und mit den Zweigen auf ihn deuteten. Plötzlich beugte sich der Wind zum Büblein herunter und hob es wieder auf den Rücken. „Komm', Fietz," sagte er dabei, „wir wollen auch tanzeu." Dann flog er vom Hügel herab mitten unter die Bäume und sang und pfiff. Und je lauter er heulte, desto toller wirbelleu die Bäume im Tanz umher. Aber der Wind tanzte besser als sie alle und war ihnen bald voran. Nun ging es fort über die Heide bis zu einer kleinen strohbedeckten Hütte. Fietz rieb sich verwundert die Augen. Das war ja seine Hütte am Berghange! Was wollten denn die Bäume dort? Der Wind stellte sich mit Fietz auf die Berglehne, die sich hinter dem Häuschen erhob. Zu Zweien gepaart tanzten nun die Bäume vorüber und machten jedes Mal vor ihnen beiden eine letzte tiefe