Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 21 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL 327 Deckbett ist fortgeslogeu! Nicht einmal ruhig schlafen kann man mehr!" Und er sprang auf, warf seinen großen Neisemantel urn, breitete die mächtigen Flügel aus und stürmte zornig in die Welt hinein. Hu, war das ein Sausen und Brausen, als er daherkam! Die starken Bäume bogen sich vor seiner Macht und ächzten lind stöhnten dabei, denn sie waren alt und die Glieder nicht mehr so gelenkig wie früher. Tie Sträucher drückten sich furchtsam zur Erde nieder oder suchten Schutz hinter Mauern und Baumstämmen. Der Wind aber rief laut: „Heut ist großes Herbstreinemachen! Heut blase ich all den Staub und die Spinneweben vom ganzen Jahr fort!" Und er stürmte weiter. War am Dach ein Ziegel lose, so riß er ihn unbarmherzig ab. Alte Schäden, die friedlich den Sommer über geschlununert hatten, wurden ohne Gnade ausgedeckt. Ja, es war ein wilder Geselle! In der Stadt machte es dem Wind ein ganz besonderes Vergnügen. Er fuhr aus den Markt und riß den guten Marktfrauen die großen Strohhüte vom Kopf. Die Zeltdächer flogen hoch und wollten sich durch keine Bänder halten lassen. Der dicken Obstfrau an der Ecke pustete er gar die große Kiepe mit Äpfeln um, daß sie weithin nach allen Seiten rollten. Den Kindern riß er die runden Strohhüte vom Kopse und rollte sie vor ihnen her die ganze Straße entlang. Er kippte die Regenschirme um, daß sie wie große, schwarze Tulpen aussahen. Und wenn die Leute zornig riefen: „Was ist das für ein abscheulicher Wind!" dann lachte er laut: „Solch' Wind ist euch gesund, ihr Menschlein! Der macht euch froh und frei und bläst die häßlichen Spinneweben von der Seele herunter!" Aber die Menschen konnten ihn leider nicht verstehn und sagten bloß: „Hört nur, wie der Sturm heult!" Doch der Wind hatte keine Zeit, länger in der Stadt zu bleiben. Er breitete die Flügel aus, riß zum Abschied noch ein paar Schornsteine um und flog auf die Heide. Da wirbelte und tanzte er umher, daß es eine Lust war anzuschauen. Das rote Heidekraut duckte sich ängstlich nieder, und die knorrigen Kiefern wurden noch krunnner in ihrem Kampf gegen den Wind. Der aber heulte und pfiff vor Vergnügen und stürmte weiter. Doch mitten im tollsten Lauf hielt er plötzlich ein. An eine Berg-