Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 21 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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326 JUNG ISRAEL Das JVIarcben vom Glind. Von Gertrud K l e ck e l. Der Wind schlief in seinem Wolkenbettcheu und hatte das Zudeck bis unter die Nase hochgezogen. Er wollte nicht gestört werden, denn er schlief gar zu gern. Die Sonne aber dachte: „Der Faulpelz hat lange genug geschlafen. /- Die Menschen da unten auf der Erde kommen ja beinahe um vor Aitze. Es ist wirklich höchste Zeit, daß es kühler wird und der Sommer aufhört." Und die Sonne' sandte ihre Strahlen aus, daß sie den Wind wecken sollten. Aber der rührte sich nicht, sondern schnarchte ruhig weiter. Da schienen ihm die Sonnenstrahlen so recht mitten ins Gesicht hinein und kitzelten ganz leise seine Nase. Der Wind verzog sein Gesicht und — „hatschi!" — nieste er laut. Da flog ein Stück von seinem schönen Wolkenbettchen fort und zerflatterte am blauen Sommerhimmel. Das störte den Wind aber nicht im geringsten. Er legte sich nur auf die andere Seite und schlief ruhig weiter. Nun kitzelten die mutwilligen Strahlen ihn wieder, diesnml aber stärker. „Hatschi! hatschi!" er mußte zweimal niesen, noch stärker als vorher. Da flog die Hälfte von seinem Wolkenbett fort und wurde - als Lämmerwölkchen weit über den Himmel verstreut. Aber auch dies weckte den Wind nicht auf. Er blinzelte nur ein wenig mit den Augen, streckte sich, reckte sich und — schlief wieder ein. Nun verlor die Sonne die Geduld. Flugs sandte sie ein ganzes Heer von Strahlen aus; die kitzelten den Wind so arg, daß er dreimal laut niesen mußte: „Hatschi! hatschi! hatschi!" Vor diesem schrecklichen Gepuste flog auch das letzte Stück vom Wolkenbett fort, und der Wind lag da und fror. Die Sonne aber lachte schadenfroh und ließ ihn frieren und gab ihm auch kein bißchen von ihrer Wärme mehr ab. Da wurde der Wind böse und drohte der Sonne: „Na warte, Frau Sonne, das sollst du büßen! Mein schönes, warmes