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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 20 (1905) · p. Seite 319

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
20 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 319 (sequence 19)
Language
German
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JUNO ISRAEL 319 Der verspottete Spötter. (Nach dem Talmud.) Tie Bewohner Jerusalems standen im Rtlse, große Geistesschärfe, Fertigkeit nnd Gelvaitdtbeit in geistreichen Antworten zn besitzen. Dte Athenienier riibmteu sich der itämlichen Vorzüge und machten ihiteit vor allen änderet! Völkern diesen Ruhm streitig, nnd es entstanden daraus öfters febr lebhafte Wettstreite und schlimme Zänkereien. Gilt Athenienser, der sich einmal ans den Straßen Jerusalems hernmtrieb, schaute allen mit einer herausfordernden Miene ins Gesicht nnd zog mit höhnischen Geberden den angeblichen Scharfsinn der Ginwohner ins Lächerliche nnd Spöttische. Mehrere Bewohner standen beisannnen tind berieten, lvie sie dafür Rache nehmen könnten. Da rief einer der Gesellschaft: „Laßt mich dafür sorgen', ich verspreche endi, ihn dermaßen anlansen zn lassen, daß ihr darüber laut anflachen sollt." Es vergingen einige Monate, nnb unterdessen begibt sich der Jernsalemitaner, der ben Anstrag übernommen hatte, die Seinigen zu rächen, nach Athen: er geht ans nnd ab nnd begegnet endlich deni stolzen Spötter, der ihm bald Gastfreundschaft anträgt, ihn in sein Hans anfnimmt nnd ihn iutiner durch die Stadt begleitet, um die belnerkenswertesten Dinge in Augenschein zn nehmen. Ans einem dieser Gänge zerreißt eine Sandale alt einem Jfitfjc des Israeliten. Dieser geht mit dem Gefährten in einett Schnsterladen und wirft eine goldne Münze als Preis für eine neue Sandale auf dett Tisch. Der Begleiter reißt die Augen aus, schweigt aber. Einige Tage später, auf einem ihrer gewöhnlichen Gänge, reißt die andere Sattdale am Fuße des Israeliten. Dieser geht abermals mit delit Gefährten znm Schtlster und reicht eine andere goldene Münze für eine neue Sattdale hin. Der Athenienser, der sich tticht mehr halten konnte, bricht in laute Ausrufungen aus, indeln er schreit: „Was? Hast du solchen Ueberflnß an Gold, daß du es wie Steine wegwirfst?" „Wie Steine?" antwortete der Jsraelite: „ich verstehe nicht. Ich habe dett Wert bezahlt nnb nicht mehr." „Den Wert? Also sind die Sandalen bei euch so kostbar?" „Sehr kostbar, so teuer, lvie ein Auge: es sind so wenige, die sie machen . . . Alle haben sie ltötig."

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