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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 16 (1905) · p. Seite 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
16 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 255 (sequence 19)
Language
German
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JUNG ISRAEL 255 JVIorris Roscnfcld* Morris Rosenfeld, habt Ihr den Namen schon gehört? (5'in Dichter, der in den letzten Jahren zur Berühmtheit gelangte, aber kein Dichter von gewöhnlicher Art. Er ist ein glänzender Zeuge dafür, wie wahre Begabung sich durch alle Hindernisse Bahn bricht. Zugleich aber bietet er auch einen vollen Beweis, wieviel Kraft und Fähigkeiten in unserem jüdischen Volke liegen. Morris Rosenseld ist der Sohn armer jüdischer Fischersleute aus Polen. Seine Eltern konnten ihm nur den notdürftigsten Unterricht angedeihen lassen. Wie viele.Hunderttausende seiner Brüder trieben auch ihn die Not und die grausamen Verfolgungen ans Rußland. Er wurde zunächst Diamantschleifer in Holland. Als er auch dabei sein karges Brot nicht verdienen konnte, zog er übers Meer. In New- Dork angelangt war er froh, in einer jener Massen-Werkstätten Arbeit zu finden, wo die Arbeiter bei niedrigster Entlohnung den ganzen Tag bis aufs Aeußerste angestrengt werden. Lange, lange Jahre arbeitete er so in einer Schneiderwerkstätte, wobei seine Gesundheit immer mehr erschüttert wurde. Und da geschah das Wunder: Dieser arme, von Not und Krankheit heimgesuchte Jude, der tagsüber alle Martern eines Arbeitssklaven erdulden mußte, fand zur Nachtzeit Kraft und Weihe für die schönsten Dichtungen, die seinen Namen weit hinaustrngen und ihn berühmt machten als den Dichter seiner Millionen Arbeiterbrüder, als den Sänger seines Volkes. Das Wunderbarste aber war, daß er seine prachtvollen Lieder in einer Sprache dichtete, die man bisher als Kauderwelsch verlacht hatte: im sogenannten „Jüdisch-Deutschen" oder „Jüdischen", das von den Millionen Juden des Ostens als Muttersprache gesprochen wird und sich aus deutschen, hebräischen und slavischen Worten zusammensetzt. Durch ihn erst erfuhr man in Europa, daß dieses Jüdische eine reiche und ausbildungsfähige Sprache ist, und bald hörte man denn auch von den anderen Dichtern und Schriftstellern des „Jüdischen" und ihren Schöpfungen. (Mit

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