Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 14 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNO ISRAEL 223 Denk' Immer gut von Deinem ptäcbften. Wer gut Vom Nächsten denkt, wird immer von den Andern gut beurteilt. ‘ Ein armer Bauersmann vermietete sich zu einem entfernt wohnenden und reichen Gutsbesitzer; inan kam über den Lohn überein, und er arbeitete drei Jahre nacheinander in seinen Feldern. Voll Vertrauen in die Rechtschaffenheit des Herrn, ben er als einen gewissenhaften Mann kannte, verlangte er nie etwas von seinem Lohne. Nach Ablauf der drei Jahre, sagte der Bauersmann zmn Gutsbesitzer: „Herr! es ist jetzt Zeit, daß ich die Früchte meiner langen Mühen nach Hause trage. Meine Familie erwartet mich, und bedarf meiner. Gebt mir das durch meine Mühe verdiente Geld." „£) guter Maun!" antwortete schmerzlich der Grundbesitzer, „ich habe kein Geld." „Bezahlt mich mit dem geernteten Getreide!" „Ich habe kein Getreide mehr." „Gebt mir Vieh." „Ich habe kein Vieh mehr." „Gebt mir Land." „Ich habe keines mehr." „Gebt mir Hausgerät." „Ich habe nichts mehr," rief schmerzlich der Herr. Der arme Landmann nahm, ohne einen Vorwurf oder eine Beleidigung auszustoßen, weinend seine Werkzeuge zusammen, und ging nach Hause. Nach Verlauf einiger Tage sah der Landmann seinen Herrn kommen, gefolgt von Wageil, voll mit reichen Waren und kostbaren Schätzen. Der gute Mann nahm seinen Gast herzlich auf, und sie saßen beim freundschaftlichen Mahle. Hierauf frug ihn der Gutsbesitzer also: „Mein Freund! Als ich dir erklärte, daß ich kein Geld habe, was dachtest du da von mir? Welchen Verdacht hattest du gegen mich?"