Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 14 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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218 JUNO ISRAEL Schriftgelehrten", jenes tragische Gedicht, das nns den Tod der zehn jüdischen Märtyrer in herzerschütternder Weise schildert, zu rezitieren begann, da süllteil sich Mendeles klugen mit Thränen, und mit bebender Stiunne erklärte er dem ihn mngebenden Kreis der armen Inden die hohe Bedeutung des Märtyrcrtmns. Von den zehn Märtyrern weckte insbesondere Rabbi Chanina ben Tradjon sein Interesse. „Rabbi Chanina t»cix Tradjon", erklärte er seinen Leuten, „der war ein großer Mann, ein gottesfürchtiger Mann, ein heiliger Mann. Wisset ihr, wie er gestorben ist? In eine Thorarolle hatten sie ihn gewickelt und so verbrannt. Seine Schüler standen um ihn und jammerten. Rabbi, was sichst du? fragten sie ihn, während die Flannnen ihn umzingelten. Seine Antwort war: Ich sehe das'Pergament brennen und die Buchstaben in der Lust schweben ..." Tabei gossen sich die Thränen ans Mendeles Angen, und mit erstickter Stimme fuhr er fort: „Es liegt ein tiefer Sinn in diesem Ausspruch. Die Thora ist unzerstörbar. Man kann ihr äußeres Gefäß, das Pergament, vernichten, aber ihr Inhalt, ihre Moral, ihr Geist bleibt für alle Ewigkeiten. Es war in den Omertagen. In Kischineff brach eine Revolte aus. Teuflische Mordgesellen stürzten sich ans die Juden, raubten und plünderten ihr Hab und Gut, nmrdeten die Männer und marterten Frauen und Kinder. Die Bestie im Menschen regte sich, und sie war nicht mehr zu bändigen. Die Bestie im Menschen war entfesselt und — „wehe, wenn sie losgclassen!" Greueltaten geschahen, wie sie in den finstersten Zeiten des Barbarismus und der Tyrannei nicht schauderhafter verübt worden waren.- Schon hatte die entmenschte Meute ihre Raub- und Mordgier an den Juden gestillt, als ihre verruchteil Anführer die Parole ausgaben: Auch das geistige Gut der Juden soll vernichtet werden! Flugs stürmte die Bande in die Synagoge. Mendele, in Tales und Tefillin gehüllt, beendete eben sein Gebet. Er sprach die dreizehn Glaubensartikel. „Ich glaube fest und unerschütterlich, daß die Lehre wahr ist ..."