Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 13 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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206 JUNG ISRAEL nach seinen verruchten Plan gelingen sah. In der Tat, als er halbwegs auf seiner Reise war, durchstach er, ohne daß seine Gefährten es fallen, das Auge des armen Tieres. Ter Boshafte wußte, daß die heiligen Satzungen verboten, als Opser ein Tier anzunehmen, das Jenen Fehler im Auge habe; und dabei war der Fehler so leicht, daß die Weigerung, es zu ovfern, ohne Zweifel als ein Anzeichen der Rebellion ausgelegt und Jede Entschuldigung als nichtig zurückgewiesen werden würde. Des Gelingens seines höllischen Anschlages sicher, geht er beherzt und keck der heiligen Stadt zu. Er eilte mit seinen Be- Triumphs, die derjenige zu haben pflegt, der, aus einer Stadt verbannt, später als Sieger in dieselbe einzieht. Er eilt mit seinen Begleitern und mit dem Opfer in den Tempel und übergibt das Tier mit einem so gebieterischen Blicke, als wenn er selbst der Kaiser wäre, und spricht: „Hier das Opfer; euer Herr befiehlt es darzubringen." Der Priester und die Gelehrten, die dort gegenwärtig waren, errieten sogleich die boshafte Absicht des Verräters. Auf Jene Worte folgte ein Tumult, eine unglaubliche Verwirrung. Verschiedene Rufe lasseil sich aus der Menge vernehmen; entgegengesetzte Ratschläge, widersprechende Ansichten drängen sich, bekämpfen sich, und der Tumult und die Verwirrung unterdessen vermehren sich. „Opfert nur Jenes Kalb," sagten die Gesetzeslehrer, „inan verletze den Brauch aus Ehrerbietung gegen den Kaiser und zum Heile des Volkes!" Es erhob sich heftig gegen diesen klugen Rat ein gewisser Z a - ch a r i a s, Sohn A b k u l a s, und rief: „Nein, man entweihe den Allln nicht, tnan verletze den Ritus nicht; es geschehe nicht, daß Tiere, die der Vorschrift nicht eittsprechen, dem Herrn geopfert werden." „Töten wir den Opfernden und sein Tier," rief einer aus der Menge, „der Tod des B a r K a ni z a wird uns von seinen Verleumdungen befreien und wir werden gerettet sein." „Ihn töten?" rief sich von neuem widersetzend Zacharias, „ihn töten? Und wegen welcher Schuld? Was hat er anders getan, als für den Altar ein Tier dargebracht, das der Satzung nicht entspricht? Ist das vielleicht ein Vergehen, das die Todesstrafe verdient?" Es geschah, wie Zacharias sagte. Dann aber folgten die traurigen Ereignisse — der Zorn des Kaisers und der Fall Jerusalems. Die Weisen mißbilligten die übertriebenen Bedenken, die das Opfer zurückweisen machten, und sagten: „Die allzugroße Strenge des Zacharias, Sohnes A b k it I et 3, hat die Zerstörung Jerusalems, den Brand des Tempels und unsere Vertreibung herbeigeführt."