Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 13 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL 205 Der fall Jerusalems. Eine Privatfcindschaft oder große Ereignisse aus kleinen Ursachen. (Schluß.) Es waren damals sehr unglückliche Zeiten für die israelitische Nation. Judäa hatte noch den Namen und den Anschein eines Ltaates; Jerusalem und der Tempel standen noch; aber die wahren Beherrscher derselben waren die Römer, nicht die Israeliten. Durch ihre Auslagen sogen sie das Land bis auss Blut aus, zwailgen ihm ihre Gesetze auf und ließen nur ein Schattenbild von Staat. Um sich ihren Herren unterwürfig zu zeigen, pflegten die Israeliten öfters Opfer im heiligen Tempel als Sühnopfer für die Römer darzubringen. Und diese Opfer waren von den Römern selbst geschickt; denn da diese beinahe alle Kulte und alle Götter gleich hielten, so nahmen sie auch die Opfer, die für sie dem Gotte Israels dargebracht wurden, gerne an. Der beschimpfte B a r K a ui z a wußte sich zur Befriedigung seiner Rache boshafterweife der Lage der Dinge, die wir soeben angedeutet haben, zu bedienen. Er begab sich zum römischeil Kaiser, und mit allem Anscheine von Aufrichtigkeit und Eifer benachrichtigte er ihil, daß sich die Israeliten heimlich zum Aufruhr vorbereiteten und daß sie schon fest entschlossen hätten, sich um keinerlei Befehl mehr zu küuuuern, der ihnen von der röimschen Regierung erteilt wi'irde. Der römische Kaiser konnte dieser so unerwarteten Anzeige kein volles Vertrauen schenken, da ihm noch von keiner andern Seite von dieser augeblicheii Empörung eine Mitteilung gemacht worden war. Aber der boshafte Verleunider beharrte darauf mit unglaublicher Hartnäckigkeit, und da er die Ungewißheit, die er nicht zerstreuen konnte, wahrnahm, bat er, daß Ulan seine Behauptungen durch eine Probe erforschen niöge. „Ich sagte," fuhr er fort, „daß jeder Befehl von dir von den Israeliten nicht mehr befolgt werde. Nun gilt, es gefalle dir, wegen meiner Worte eine Probe anzustellen. Sende durch mich ein Opfer, das im Tempel der Israeliten dargebracht werden solle; lasse nlich von einigen deiner Diener begleiten, und du wirst iehen, wie nian dein Wort beachten wird." Dem Kaiser gefiel der Rat, lind er ließ dem B a r K a m z a ein junges Kalb geben, um es im Tempel zu Jerusalem zu opfern. Dem boshaften Verleunider schlug das Herz vor Freude, da er nach und