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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 13 (1905) · p. Seite 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
13 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 204 (sequence 18)
Language
German
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204 JUNG ISRAEL zog das Gerücht herauf wie eine schwarze Wolke, welche ihren verderbenbringenden Inhalt am nächsten Morgen zu entladen drohte. In Hausen kamen alle Kunden auch zu ihm und fragten ihn, ob sein Bankgeschäft am nächsten Tage offen sein würde. „Nein!" erwiderte er, „morgen ist Sabbath." „Tann sind Sie ruiniert!" riefen sie, „und wir sind ruiniert!" Er aber entgegnete ihnen in seiner ruhigen Art:„Freunde, ich habe genug Geld erspart, um Euch gegen jeden Verlust zu schützen, auch wenn mein Geschäft vom Erdboden verschwindet. Aber morgen ist Sabbath. Sechzig Jahre lang habe ich den Sabbath gehalten, und ich werde es morgen auch tun." Die Augen des Erzählers wurden naß, und dicke Tränen rollten ihm über die Backen, als er sortsuhr: „An dem folgenden Montage gab er jedem Manne, jeder Frau und jedem Kinde, die ihm vertraut, jeglichen Penny, den er erspart, und veranlagte mich, ein Gleiches zu tun. Und als das geschehen und der letzte Gläubiger voll befriedigt gegangen war, wandte er sich zu mir und sprach: „Der Mensch soll nimmer vergessen, sich zu sagen, daß alles, was Gott tut, zu seinem Besten dient." Und am nächsten Tage-nun, am nächsten Tage baten wir in einer Fabrik gegen Hungerlohn tun Beschäftigung, und dort haben wir seitdem gearbeitet. Bald wird er friedlich sterben, und ich werde Zurückbleiben, um allein weiter zu kämpfen. Also, Freund, der Mann, welchen Sie dort aus jenem ärntlichen Lager liegen sehen, ist ein Jude! Wollen Sie ihn bekehren? Was wollen Sie, daß er glauben soll? In welch' andern Glauben wollen Sie den seinen umwandeln? Der jüdische Glaube hat ihn zu dem gemacht, was er war! Oh, wenn alle Juden so fest hielten an der Religion ihrer Väter wie er — welch' leuchtendes Beispiel für die Menschheit! Ich danke Ihnen, mein Freund. Sie sind mit mir gekommen und haben mir zugehört. Jetzt mtiß ich für meinen armen Frettnd sorgen. Möge der Friede Gottes mit Ihnen seitt!" Der Missionsprediger verbeugte sich und schritt hinaus, ohne ein Wort zu sprechen. Aber seine Lippen bebten. Einen zweiten Straßen-Gottesdienst hat Thontas Gillespie nicht abgehalten.

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