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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 12 (1905) · p. Seite 188

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
12 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 188 (sequence 16)
Language
German
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188 JUNG ISRAEL gesinnt. Der (Sultan benutzte daher jetzt gern die günstige Gelegenheit. Venedigselb ft angreisen konnte er nicht, weil alle christlichen Mächte ihn gehindert hätten, dort irgendwelche Erfolge zn erzielen. Aber Venedig besaß damals auch die Insel Cypern, die aus diese Weise das einzige christliche Land im Umkreis des türkischen Reiches geblieben war und die Insel Cypern nahm der Sultan nun aus Joseph Nasis Rat deu Venetianern weg, und das Land blieb unter türkischer Herrschaft, bis — im Jahre 1878 — ein anderer großer jüdischer Staatsmann, B e n j a m i n D i s r a e l i, die Insel an Engl a n d brachte. Es wird gesagt, daß der Sultan Selim versprochen haben soll, die Insel Cypern, wenn er sie erobert haben würde, dem Herzog von Naxos als Königreich zu geben. Aber das steht nicht sicher fest. Dagegen ist es bekannt, daß Joseph Nasi sehr großen Einfluß bei dem Sultan hatte, und daß viele christlichen Fürsten sich an ihn wandten, wenn sie von der Türkei etwas erreichen wollten. Welche Rolle der Herzog von Naros gespielt hat, geht z. B. daraus hervor, daß er mit Wilhelm v o n O r a n i e n verhandelte, um die Türken an Spanien den Krieg erklären zu lassen, damit die Niederländer leichter das spanische Joch abschütteln könnten. Auch M a r i m i l i a n 1!., der Kaiser von Deutschland, und Sigismund A u g u st II., der König von Polen, setzten sich mit Joseph Nasi in Verbindung, um ihre Zwecke zu fördern. Als Sultan Selim starb <im Jahre 1574), verlor Joseph Rasi seinen Einfluß, und nicht lange daraus starb auch er selbst (1579), und da er keine Kinder hinterließ, so siel sein Herzogtum an die Türkei zurück, und diese ganze Geschichte ist so ziemlich in Vergessenheit geraten. Joseph Nasi war aber nicht nur als ein Staatsmann bedeutend, sondern er unterstützte auch Künstler und Gelehrte und war überhaupt ein großer Herr, wie nur irgend einer der großen Herren seiner Zeit. V o r a l l e n D i n g e n i st e s a b e r s ü r u n s w i ch t i g z u s e h e n, d a ß e r b e i a l l e n seinen Erfolgen ein guter und st o l z e r Jude gewesen und geblieben i st, und d i e in ä ch t i g e Stellung, die er i m t ü r - k i s ch e n Reiche e i n n a h m, i m m e r b e n u tz t h a t, u m den verfolgten Juden zu Helsen.

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