Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 12 (1905) · p. Seite 183

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
12 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 183 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9620171-9626617-9622854--1642-9622865
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUNG ISRAEL 183 in Herz und Hans, dann war alles, alles vergessen, alle Arbeit und Last, alle Sorge und Mühe. Mein Schein fiel nur auf glückliche, sich ganz der Ruhe des Sabbats biugebende Menschenkinder, mein Licht leuchtete nur zu frohen, freudeerfüllten Stunden und strahlte nur aus leuchtenden, durch gehobene Stimmung glänzenden Augen zurück. Es gab später mehr der Kinder, ich sah sie heranwachsen zur Freude und zinn Stolz der Eltern. Der Sabbat bildete auch für sie ein Fest, da entwickelte sich stets ein edler Wettstreit, wenn der Vater jeden Freitag Abend ein Verhör anstellte. Jeder wollte besser wissen, mehr, fleißiger gelernt haben die Woche über. Viel erfuhr xmb lernte ich selbst dabei, das ganze jüdische Pflichtenleben hörte ich aus dem Munde des Vaters den Kindern erklären, es ihnen einprägend, denen Sinn erläuternd, auf daß sie in dessen Betätigung selbst ihres Lebens höchstes Ziel und Ideal finden sollten. Und es waren nicht nur Worte, was der Vater lehrte, nein, in diesem Kreise war alles in lebendige Tat umgesetzt, und leicht hatten die Kinder an der Hand eines solchen Beispiels zu lernen." „Wie schön sie spricht," seufzte der Haken. „Wie viele liebliche Gesänge tönten an mein Ohr," fuhr die Lampe fort. „Wie viel Gäste sah ich bewirten und w i e sie bewirten; mit wie viel Liebe und Güte! Wie bestrebten sich groß und klein, den Gast vergessen zu machen, daß der Tisch, an dem er saß, eigentlich ein fremder, und das Brot, das er aß, das der Heimatlosigkeit fei. Ja, ich kann sagen, daß ich nur Schönes uitd Edles bei diesen lieben Leuten sah und erlebte." „Und warum kamst du fort von dort?" fragte der Haken. „Das ist das traurigste, dunkelste Kapitel «reines Lebens. Ich hatte mit einem deines Geschlechts bittere Erfahrungen gemacht. Ter Haken, an dem ich darnals hittg, er versagte mir eines Tages treulos den Dienst, und ich fiel mit lautem Krach zur Erde. Ich wurde ohnmächtig und weiß nicht, was mit mir geschah. Ich weiß auch nicht, wie lange meine Bewußtlosigkeit gedauert, noch was inzwischen mit mir vorgegangen war. Als ich wieder zu mir kanr, da lag ich verstallbt im Winkel einer Bodenkammer. Wie lange ich schon da war, wußte ich nicht. Ich muß rnich bei dein Fall unheilbar verletzt habet: und deshalb wurde ich auch wohl zur Seite gelegt. Ich hatte jedes Maß für die Zeit verloren, denn mein Leben hatte ja nur Inhalt durch die Sabbate, an denen ich letlchten durfte, sie gaben mir den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.