Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 12 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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184 JUNG ISRAEL Maßstab für seine Dauer. Nun ich nicht mehr leuchten durfte, hatte es seinen Wert für mich verloren. Eines Tages stöberte man mich in einem Winkel ans und brachte mich hierher. „Altes Blech, wert zum Einschmelzen", das war das Urteil, das mein jetziger Besitzer über mich fällte, und so hänge ich nun hier und wünsche mir den Tod. Ach, eingeschmolzen zu werden, es müßte herrlich sein im Vergleich zu diesem unnützen Leben, das mich nur täglich und stündlich der schönen Jahre, die ich erlebt, mit Schmerz gedenken läßt!" „Horch, was ist das," sagte der Haken, „es scheint, wir bekommen noch späten Besuch." Die Türe öffnete sich und es kam noch ein Käufer. Er erblickte die Schabbeslampe. „Ist die verkäuflich?" fragte er den Trödler, der mit ihm eingetreten war. „Verkäuflich wohl, aber als Ocllampe unbrauchbar," sagte dieser. „Das schadet nichts, war die Antwort, „ich suche eine solche Lantpe, utn sie für elektrisches Licht einrichten zu lassen." Die Larnpc durchfuhr es schon jetzt wie ein elektrischer Schlag. Ach, sie befaß Erfahrung genug, sie wußte, daß man sie quälen und bearbeiten wird, daß man Drähte durch sie Ziehen wird, und sie empfand es schon jetzt wie einen körperlichen Schmerz. Ach, zu erhoffen hatte sie nichts davon, sie wußte, wo sie nicht einfach und bescheiden mit Oel leuchten durfte, daß sie dort nicht dem gemütvollen, echt jüdischen Leben ihre Dienste weihen durfte, daß nur kalter, fremder Glanz von ihr ausgehen würde, bei dem ihr Herz selbst kalt bleiben wird. Mit Schmerz sah sie, daß man handelseins wurde über sie. Doch im Grunde genommen konnte es ihr gleich sein: Ob sie hier im Trödlerladen hing oder vielleicht in einem eleganten Zimmer elektrisches Licht verbreiten mußte — für sie gab es nur eins, was niemand ihr rauben konnte, was ihr köstlichster Besitz bleiben würde, bis ans Ende: die Erinnerung an echtes Schabbesglück und wahren Schabbessrieden. S. R.