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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 11 (1905) · p. Seite 174

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
11 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 174 (sequence 18)
Language
German
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JUNG ISRAEL 1 74 teilt paar Knaben vor uns spielen Ball. Soeben hat ein nngeschickter Wurf den leichten Ball gegen eine Fensterscheibe geworfen, glücklicher Weise, ohne Schaden anzurichten. Da haben wir die Antwort auf unsere Frage. Hätte die Hand eines starken Mannes den Ball geschleudert, er hätte gewiß die Fensterscheibe zerschmettert. Die größere Geschwindigkeit hätte die Wirkung des Wurfes erhöht. Die Kanonenkugel wiegt nur wenige Pfunde,' aber blitzschnell durch die Kraft des Pulvers getrieben wirkt sie mehr, als der ungeheure, aber schwerfällige Mauerbrecher der Alten. Ter kleine Stein, der aus gewaltiger Höhe lierabstürzt, vermag uns ebenso den Schädel zu zerschmettern, wie die schwere Bleikugel. Tie ungeheure Schneemasse, die als Lawine vom Berghang herabrollt, zermalmt ebenso Wälder und Hütten, wie der Felsblock, der sich von der Höhe löst. Tenn die Kraft wird geboren aus a s s e und Geschwindigkeit. Da haben wir bereits eines der wichtigsten Gesetze der Physik entdeckt, ohne Buch und Apparat,* und haben uns noch nicht einmal recht umgeschaut. Also H e b e l und Rollen vermehren zwar nicht die K r a f t. aber die Wirk u n g. Sie lassen die Kraft nur mit größerer Geschwindigkeit wirken, und je größer die Geschwindigkeit, desto geringerer Kraft bedürfen wir allerdings, um dasselbe zu leisten. — Wir wenden uns zu den spielenden Knaben zurück. Der Schreck über ihren unvorsichtigen Wurf hat sie von ihrem Ballspiel verscheucht, und sie schaukeln sich jetzt lustig auf einem Balken, der quer über einem mächtigen Baumstamm liegt. Auf den Enden desselben rettend, schnellen sie einander abwechselnd durch einen Stoß gegen den Boden in die Höhe. Die beiden Knaben müssen ziemlich gleich schwer sein, denn der Balken scheint doch im Gleichgewichte gelegen zu haben und sich trotz des Gewichtes der Knaben darin zu behaupten, da ein so schwacher Druck zu seiner Bewegung hinreicht. — Jetzt hüpft ein kleines Mädchen herbei und bittet schmeichelnd den Bruder, es doch am hübschen Spiele teilnehmen zu lassen. Im liebevollen Eifer für sein Schwesterchen springt dieser von der Schaukel herab, der Balken schnellt dadurch in die Höhe und verseht den andern Knaben mit etwas unsanftem Stoße aus den Boden. Das Gleichgewicht war freilich aufgehoben, und der Balken folgte dem gebliebenen Drucke zum Boden. Aber das Spiel ist nicht gestört, die Knaben besteigen wieder ihre Sitze und das kleine Mädchen wird mit hinanfgenommen.. Sofort neigt sich aber der Balken mit dem Geschwisterpaare nieder, und er will nicht mehr steigen, weil die drückenden Lasten jetzt ungleich sind. Was ist da zu machen? Ter Knabe weiß es,' er sucht die die Wirkung seiner vergrößerten Last zu vermindern und rückt deshalb weiter hinauf, dem Unterstützungspunkte zu, bis das Schaukeln wieder beginnt. — Welche Wirkung sollte denn die Last der beiden Knaben an den Enden des Balkens Hervorrufen? Jeder wollte den Balken um seinen Stützpunkt drehen, jeder den andern um eine Strecke emporheben. So lange beide in gleichen Abständen vom Drehpunkte wirkten, mußten sie einander auch zu, gleichen Höhen heben, und so lange ihre

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