Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 10 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL 151 werter an der Spitze aller, die arbeiten und sich abmühen. Mit feinem Talent und seinen Kenntnissen braucht er nicht zu fürchten, je unbeschäftigt zu bleiben. Ueberdies könnt ihr als Handwerker euer Handwerk so erweitern, daß ihr ihm einen gewissen großzügigen Charakter verleihet. Kaufleute aber, welche in ihren: Geschäftsbetrieb kein Glück gehabt haben, sind selten in der Lage, ein Handwerk anzufangen, um sich ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Man sagt oft, die Hebräer hätten von Natur keiue Lust, ein Handwerk zu erlernen. Nichts isch unwahrer als dieser Vorwurf. In den Zeiten der Bedrängnis raubten unsere Feinde zunächst unsere Kinder und töteten sie, dann in der Periode der Spanischen Inquisition wurden Angehörige jiidischer Familien auf der Folter zu Tode gemartert, und wenn schon in dein furchtbaren Mittelalter unser Leben bisweilen aus den Händen unserer grausamen Verfolger gerettet wurde, so mischte sich die Regierung in unserer Berufstätigkeit und gestattere keinem Juden, ein Handwerk zu betreiben. So wurden viele unseres Stammes Hausierer. Wie sehr man in Israel das Handwerk pflegte, erkennen wir am besten aus den Worten unserer Weiseil. Zur Zeit, als der Talmud entstand, verband fast jeder Rabbi mit seinen: Studium ein passendes Handwerk, un: sich und seine Farnilie zu ernähren. Da gab es Schubmacher und Gerber, Zimmerleute und Baumeister, Nagelschmiede, Holzhauer, Färber und Maurer. In der großen Synagoge in Alexandrien (in Aegypten) saßen beim Gottesdienst die Handwerker nach ihrer Berufsart geordnet. Es ist nur falsche r Stolz und Ehrgeiz, wenn unsere Knaben glauben, daß sie in kauflnännischen Stellungen sich leichter eine gesicherte Zukunft schaffen als in den: Beruf eines rechtschaffenen Handwerkers. Auf die Annonce einer Handelsfirma, welche nach einen: Verkäufer oder Buchhalter oder dergleichen sucht, pflegen sich gleich Dutzende von inngen Leuten zu melden; welche Mühe hat man dagegen, tüchtige Ziinmerleute, Setzer, Maler, Klavierbauer u. a. zu bekommen. Ein stellungsloser Handlungsgehilfe muß, lvenn er in einem Geschäfte ankommen will, viele Zeugnisse und Empfehlung aufweisen können. Ein .Handwerksmeister gibt weniger auf Zeugnisse, er prüft mehr die Arbeit. In „Tausend und eine Nacht" finden wir folgende lehrreiche Geschichte: „Ein Prinz wurde mit vielen Geschenken zu einem befreunde-